Leihgabe von Victor Sanovec

Der versilberte Kiddusch-Becher ist ein Geschenk des Rabbiners Alfred Gottschalk sel. A. aus Cincinnati USA an das Ehepaar Barbara Fuchs und Victor Sanovec. Der Anlass für das Geschenk war die Steinsetzung am Grab des 1941 verstorbenen Gustav Gerson, dem Großvater von Alfred Gottschalk, am 6. September 2006.

“Nach dem Kauf unseres Hauses in Oberwesel in Sommer 1992 suchten wir nach den jüdischen Spuren des Ortes. Aber es waren dort keine zu finden. Bis wir in Jerusalem auf den Namen des Rabbiners Alfred Gottschalk gestoßen sind, einem der Mitbegründer des dortigen Jewish Union College. Dieser Alfred Gottschalk stammte aus Oberwesel. Wir haben Kontakt zu ihm aufgenommen. Barbara hat ihn bei ihrer nächsten New York Reise getroffen. Aus der Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft.

Alfred Gottschalk, geboren 1930 in Oberwesel, konnte gemeinsam mit seiner Mutter noch 1939 in die USA ausreisen. Seine in Deutschland verbliebenen Familienmitglieder wurden vernichtet. Der Grossvater verstarb kurz vor seiner Deportation in Oberwesel und wurde dort auf dem jüdischen Friedhof in ein nicht gekennzeichnetes Grab gelegt. Es war Gottschalks Wunsch dieses Grab zu finden und dort einen Stein zu setzen. In dem Zusammenhang hat Barbara Fuchs  angeregt an alle Oberweseler Juden zu erinnern, für die es in der Shoah kein Grab gegeben hat.  Auf einem Stein in der Mitte des Ortes sollten ihre Namen stehen.

Im Februar 2006 legte sie ihren Vorschlag dem Stadtrat vor. Danach haben wir zusammen mit einer Gruppe von Interessierten und Freunden einen Förderverein gegründet, um das „Denkmal der Oberweseler Bürger für ihre jüdischen Nachbarn“ zu bezahlen. Der ortsansässige Architekt Hubertus Jäckel entwarf das Denkmal und parallel dazu mietete Victor Sanovec die ehemalige Synagoge um dort,neben der Möglichkeit zum Gebet, auch Ausstellungen, Konzerte und Lesungen zum Thema Judentum zu veranstalten. Viele Gruppen und Schulen der Umgebung haben diese Synagoge besucht. 

Das Denkmal konnte am 6. September 2006 eingeweiht werden. Rabbiner Gottschalk mit Familie waren dazu angereist zusammen mit einer multikonfessionellen Gruppe aus den USA. Der Landtagspräsident Mertes hielt die Festrede. Vertreter beider Kirchen und zahlreiche Bürger waren anwesend.

Nachdem es gelungen war, das Grab des Großvaters Gustav Gerson zu finden und einen Stein anzufertigen, konnte Alfred Gottschalk mit seiner Familie das Grab besuchen und die Steinsetzung vornehmen. Endlich konnte er Abschied nehmen, nicht nur von seinem Großvater sondern auch von den traumatisierenden Erinnerungen an seine Kindheit in Oberwesel und die Vertreibung von dort.”