Die Kurfürsten und die Goldene Bulle

"Man nannte die Zeit nach dem Ende der Staufer ‚Interregnum‘, Zwischenherrschaft. Doch das ist nicht richtig. Es fehlte keineswegs an Königen. Eher kämpften zu viele Könige gegeneinander. "

Prof. Dr. Bernd Schneidmüller

Die Goldene Bulle

Die Goldene Bulle – Exemplar des Erzbischofs von Mainz

Nürnberg, 10. Januar 1356; Metz, 25. Dezember 1356, Pergament
Wien, Österreichisches Staatsarchiv/Haus-, Hof- und Staatsarchiv

Der hier gezeigte Text regelt die Wahl des römisch-deutschen Königs. Bei dieser nimmt der Mainzer Erzbischof eine herausragende Rolle unter den Kurfürsten ein: Er eröffnet die Wahl mit einer Messe und leitet die Stimmabgabe. Dem für den Mainzer Erzbischof ausgestellten Exemplar fehlt heute die Goldbulle. Nach über 200 Jahren kehrt das Mainzer Exemplar der Goldenen Bulle nun erstmals wieder an seinen ursprünglichen Bestimmungsort zurück.

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Das Reich als lebendes Bild

Die Kurfürsten als „Säulen des Reichs“

Rekonstruktion des Kaufhauses am Brand

Das Highlight: Die Goldene Bulle – Exemplar des Erzbischofs von Köln

1356 oder kurz danach, Pergament, Gold
Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Hs 3065

Neben den Exemplaren für die Erzbischöfe von Mainz und Trier wird in dieser Ausstellung auch die Ausfertigung der Goldenen Bulle für den Erzbischof von Köln gezeigt. Damit sind die drei Originale für die drei rheinischen Erzbischöfe erstmals seit Jahrhunderten auf Zeit wiedervereinigt. Um 1356 erhielten die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, der König von Böhmen und der Pfalzgraf bei Rhein originale Ausfertigungen der Goldenen Bulle. Im Gesetzestext werden die Kurfürsten als „Säulen und Mauern des Reichs“ bezeichnet.

Seinen suggestiven Glanz erhielt das „Kaiserliche Rechtbuch“ durch die anhängende Goldbulle Kaiser Karls IV. Die Vorderseite zeigt den thronenden Herrscher im Ornat mit Krone, Zepter und Reichsapfel inmitten zweier Wappenschilder mit dem Adler des Reichs und dem böhmischen Löwen.

Die Umschrift, die mit dem böhmischen Königstitel ins Siegelfeld reicht, lautet:
+ KAROLVS QVARTVS DIVINA FAVENTE CLEMENCIA ROMANOR(VM) IMPERATOR SEMP(ER) AVGVSTVS / ET BOEMIE REX
„+ Karl IV., durch Gottes günstige Milde Kaiser der Römer, immer Augustus, und König von Böhmen“

Die Rückseite zeigt eine stilisierte Stadtarchitektur Roms:
+ ROMA CAPVT MVNDI REGIT ORBIS FRENA ROTVNDI
„+ Rom, das Haupt der Welt, lenkt die Zügel des Erdkreises“

Im offenen Stadttor steht:
AVREA ROMA
„Goldenes Rom“