Schätze aus Romantik und Historismus

Hans Thoma (1839-1924), Der Ziegenhirt
Inv. Nr. 1172
1869, Öl/Leinwand

Ein Ziegenhirt sitzt mit seiner Herde auf einem Hang oberhalb eines weiten Tales und spielt Flöte. Die ruhige, aus tiefen Grüntönen aufgebaute Idylle gehört zu den frühen Schwarzwaldlandschaften, die Thoma zeit seines Lebens gemalt hat. Der in Bernau – im südlichen Schwarzwald – geborene Maler konnte sich das Paradies, wie er es selbst einmal formulierte, „eigentlich nur in Bernau denken“. Dorthin zog es ihn trotz seiner Aufenthalte in Karlsruhe, Düsseldorf, Paris und München immer wieder zurück. In den Landschaften mit heimatlichen Motiven sah er seine Vorstellung einer harmonischen Einheit von Mensch und Natur verwirklicht.
Johann Adolf Lasinsky (1808-1871), Idar-Oberstein mit Felsenkirche
Inv. Nr. 93/2
1834, Öl/Leinwand

Lasinsky studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie als Schüler des Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer. Auf ausgedehnten Wanderungen in die Eifel und in das Nahetal fertigte er zahlreiche Skizzen und Ölstudien der Landschaften und Baudenkmäler an. Der Ausblick auf das verschattete Ufer der Nahe mit der Herde im Vordergrund und die in gleißendem Sonnenlicht liegende Felswand gehört zu den frühen Werken des Künstlers. Der Blick wird auf die in den Felsen eingebettete Kirche gelenkt. Der Sage nach geht dieser Vorgängerbau der 1482 errichteten Kirche auf einen zu sühnenden Brudermord zurück, dessen Anlass die Liebe zweier Brüder zu einem Burgfräulein gewesen sein soll.
August Noack (1822-1905), Macbeth tötet König Duncan
Inv. Nr. 568
Um 1870, Öl/Leinwand

Im Historismus greifen die Maler nicht nur auf Themen der deutschen Geschichte zurück, sondern es werden auch Szenen aus Mythologie und Literatur ins Bild gesetzt. Hierbei ist eine Vorliebe zu tragischen Episoden, zu Geschichten von Eifersucht, Liebe, Leid und Tod unverkennbar. Das Gemälde des Darmstädter Porträt- und Historienmalers August Noack zeigt einen äußerst dramatischen Moment aus William Shakespeares Tragödie „Macbeth“: Der schottische Feldherr Macbeth, von seiner Frau gedrängt, König Duncan zu ermorden, um sich selbst auf den Königsthron zu setzen, begeht zwar den Mord, wird aber von Gewissensqualen geplagt. Erschrocken wendet er sich von seinem Opfer ab.
Eduard von Grützner (1846-1925), Vesperzeit
Inv. Nr. 586
1900, Öl/Leinwand

Zusammen mit Carl Spitzweg und Franz von Defregger gehörte Grützner zu den großen Genremalern in München des späten 19. Jahrhunderts. Mit seinen anekdotischen und humoristischen Darstellungen des klösterlichen Lebens, vornehmlich in Keller, Küche oder Bierstube gelangte er zu großer Popularität. Hier schickt sich ein Klosterbruder an, seine Brotzeit einzunehmen. Mit behaglicher Miene, im Vorgeschmack des Genusses, gießt er das Bier in einen Deckelhumpen. Dass er immer wieder diese Thematik aufgriff, führte er auf die Forderungen seiner Kunden zurück:„ Aber Pfaffen müssens sein. Male ich etwas anderes, sagen die Leute‚ es ist kein echter Grützner. Was ist da zu tun?“
Wilhelm Leibl (1844-1900), Porträt des Malers Rudolf Hirth du Frênes
Inv. Nr. 620
1864/65, Öl/Holz

Der aus Köln stammende Leibl war 1863 als Student an die Münchner Kunstakademie gekommen und traf dort mit Rudolf Hirth du Frênes zusammen. Man saß sich gegenseitig Modell und ging regelmäßig in die Alte Pinakothek, um die Werke der niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts zu studieren. Das Porträt des Mitschülers gehört zu einer Reihe früher Bildnisse, in denen die Bewunderung für van Dyck oder Frans Hals deutlich wird. Die Auseinandersetzung mit niederländischer Kunst zeigt sich nicht nur in dem großen Spitzenkragen, sondern auch in der an Rembrandt orientierten Farbpalette mit kontrastreichen Brauntönen.
Oswald Achenbach (1827-1905), Mondnacht auf Capri
Inv. Nr. 1169
1886, Öl/Leinwand

Das Gemälde stellt eine jener stimmungsvollen italienischen Landschaften dar, die für das Werk des Düsseldorfer Malers Oswald Achenbach typisch sind. Solche Szenen waren außerordentlich beliebt, entsprachen sie doch der Italiensehnsucht des bürgerlichen Publikums im späten 19. Jahrhundert. Achenbach reiste mehrmals nach Italien, brachte Skizzen und Zeichnungen mit und machte sich Notizen zu den Farben. Die Farben und das Licht des Südens wurden zu einem zentralen Bildthema. Seine Vorliebe für effektvolle Lichtinszenierungen, für Abendstimmungen und Mondscheinlandschaften trugen ihm den Vorwurf ein, „er habe über der Farbe schon mal den Gegenstand vergessen.“
Edmund Kanoldt (1849-1904), Villa d’Este in Tivoli
Inv. Nr. GE 82/15
Um 1897, Öl/Leinwand

Edmund Kanoldt steht in der Tradition der Karlsruher Landschaftsmalerei, die mit Namen wie Hans Thoma oder Wilhelm Trübner verbunden ist. Seine spätromantisch-klassizistische Naturauffassung ist einerseits noch der akademischen Maltradition des 19. Jahrhunderts verpflichtet und leitet andererseits zur Malerei der Jahrhundertwende über. Seine Bilder schmückten die Villen des gehobenen Bürgertums der Gründerzeit. Thematisch setzt er sich mit der Landschaft Italiens auseinander. Immer wieder malt er den Park der Villa Tivoli unweit von Rom, der für seine üppige Vegetation, vor allem aber für seine Zypressen berühmt war.
Georg Kneipp (1793-1862), Totentanztafel Reihe 3 und 4 IV
Inv. Nr. MP 1997/10
1834, Öl/Holz

Eine Folge von 40 aneinander gereihten kleinen Bildtafeln zeigt Angehörige geistlicher und weltlicher Stände sowie verschiedener Berufsgattungen und Altersstufen, die der als Skelett personifizierte Tod aus dem Leben abruft. In den zu den einzelnen Szenen gehörenden Dialogversen fordert der Tod den Angesprochenen - auch den Maler und seine Familie - zum Mitkommen auf. Die Verse sind von dem berühmten „Baseler Totentanz“ übernommen, die dargestellten Szenen greifen auf die Holzschnittfolge von Hans Holbein zurück. Die Totentänze entstanden im Zusammenhang mit den Pestepidemien um die Mitte des 14. Jahrhunderts.