Schätze aus der Römersammlung

"Kranichkelch" aus Terra Sigillata, Ende 1. Jh. v. Chr.
Inv. Nr. 4.VI.1901

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der Kranichkelch, als eines der herausragenden Fundstücke, bei Ausgrabungen im römischen Legionslager auf dem Kästrich zutage. Die Wand des Kelches ist sehr reizvoll verziert. Kraniche waten inmitten der Tier- und Pflanzenwelt einer Flusslandschaft. Unter den Tieren sind Vögel, Libellen und Heuschrecken zu sehen. Ein Kranich hat eine Heuschrecke geschnappt. Insgesamt sind sechs Kraniche paarweise abgebildet. Der Kelch ist ein Produkt aus der Großtöpferei des Gnaeus Ateius in Arezzo in der östlichen Toskana, der Boden ist innen mit dem Töpferstempel ATEI versehen.
Dolch mit Einlagen aus Messing und Email, 2. Drittel des 1. Jh. n. Chr.
Inv. Nr. 1917,96.

Der 38 cm lange Dolch wurde zusammen mit den Resten eines Schuppen- und eines Kettenpanzers im Rhein bei Mainz an der römischen Brücke gefunden, die den Fluss etwa 30 Meter oberhalb der heutigen Theodor-Heuss-Brücke überspannte. Dolchklinge und Scheide, beide aus Eisen, sind durch Korrosion unlösbar miteinander verbunden. Die Schauseite der Scheide und der Dolchgriff sind durch Einlagen von Messing sowie grünem und rotem Email reich verziert. In neuwertigem Zustand hat die Waffe mit der silberähnlichen Farbe des Eisens, dem goldfarbenen Messing sowie dem grünen und roten Email einen prächtigen Eindruck gemacht.
Kopf einer Göttin, 1./2. Jh. n. Chr.
Inv. Nr. R 631.

In einem römischen Heiligtum bei dem heutigen Mainzer Stadtteil Finthen wurden 1844 zahlreiche dem Merkur geweihte Altäre und der lebensgroße Kopf einer Göttin aus Bronze entdeckt. Das Heiligtum lag nur wenige Meter neben der von Mainz nach Bingen führenden Römerstraße. Der Kopf einer Göttin gehört zu den ausgesprochen seltenen Funden von Bronzestatuen oder Teilen davon. Denn Bronzebildwerke wurden wegen ihres hohen Metallwertes in der Regel zu späterer Zeit wieder eingeschmolzen. Wahrscheinlich stellt dieses Bildnis die einheimisch-keltische Göttin Rosmerta dar. Diese wurde häufig in Kultgemeinschaft mit einem einheimisch-keltischen Gott verehrt, der dem römischen Gott Merkur entsprach.
Glaskannen mit Kettenhenkel, 2. Hälfte des 3. Jh. / 1. Hälfte des 4. Jh.n. Chr.
Inv. Nr. R 1046, R 945, R 944, R 1047, R 1081, R 1085

Der charakteristische und namengebende Schmuck dieser Gläser ist der Kettenhenkel. Er besteht aus zwei Glasfäden, die zu drei bis vier Kettengliedern zusammengeschmolzen wurden. Kettenhenkelgläser sind nicht sehr häufig. Sie waren jedoch in der Römerzeit fast am gesamten Lauf des Rheins sowie bis nach Nordostfrankreich und Großbritannien verbreitet. Eine auffallend dichte Fundkonzentration ergibt sich für Mainz. Das Landesmuseum Mainz besitzt mit 15 Exemplaren die mit Abstand größte Sammlung dieser Gläser überhaupt. Sie wurden alle in Mainz gefunden.
Dionysos-Flasche  aus Hohen-Sülzen (Rheinhessen), 3. Jh. n. Chr.
Inv. Nr. R 6111.

Das Hauptstück in der Mainzer Sammlung römischer Gläser stellt die Dionysos-Flasche aus Hohen-Sülzen dar. Dieses Glas wurde 1869 zusammen mit dem – seit Kriegsende verschollenen – Diatretglas gefunden. Die 42 cm hohe Flasche mit Figurenschliff ist mit einer vielfigurigen Szene aus dem Umkreis des antiken Weingottes Dionysos verziert. Das Bild wurde in die Oberfläche des Glases in plastisch wirkendem Tiefschliff eingeschnitten, die plastische Wirkung der Figuren durch Gravierung der einzelnen Körperteile verstärkt. Aufgrund dieser Technik wird die Dionysos-Flasche derselben Werkstatt zugeschrieben wie der Kölner Lynkeus-Becher.
Große Mainzer Jupitersäule, 3. Viertel des 1. Jh. n. Chr.
Inv. Nr. S 137.

Die Einwohner von Mainz haben Jupiter, dem höchsten Gott der römischen Staatsreligion, für das Heil des regierenden Kaisers Nero (54–68 n. Chr.) eine sehr kostspielige Steinsäule geweiht. Sie ist sowohl von ihrer monumentalen Größe als auch von ihrem aufwändigen Reliefdekor her außergewöhnlich. Außer Jupiter sind auf dem Schaft und den beiden viereckigen Sockeln weitere 27 Götter dargestellt. Auf der etwa zehn Meter hohen Säule stand ursprünglich eine Jupiterstatue aus vergoldeter Bronze. Heute sind von der Statue nur noch ein Fuß, das Blitzbündel und wenige weitere Teile erhalten, denn ihr Material war ein wertvoller Werkstoff, der in späterer Zeit wieder eingeschmolzen wurde.
Grabstein des Reeders Blussus und seiner Frau Menimane, 2. Viertel des 1. Jh.s n. Chr.
Inv. Nr. S 146.

Blussus und seine Ehefrau Menimane sind Angehörige der einheimisch-keltischen Bevölkerung. Das Relief zeigt die Eheleute auf einer Bank sitzend, dahinter einen Jungen, bei dem es sich wohl um den Sohn Primus handelt. Blussus trägt seinen Geldbeutel und damit seinen Wohlstand selbstbewusst zur Schau. Er ist als Reeder zu seinem Vermögen gekommen. Sein wichtigster Auftraggeber dürfte das in Mainz stationierte Militär gewesen sein. Der Grabstein stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die Romanisierung dar, die soziale und kulturelle Angleichung der einheimisch-keltischen Bevölkerung an die römische Zivilisation.
Grabstein des Reitersoldaten Romanius Capito, 3. Viertel des 1. Jh. n. Chr.
Inv. Nr. S 607.

Der Grabstein des Gaius Romanius Capito gehört zu dem Typus des Reitergrabsteins, der sich um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. entwickelte und im Rheinland weit verbreitet war. Der Grabstein des Capito zeigt den neuen Typus in charakteristischer Ausprägung. Der Reiter sprengt über den als bereits geschlagen dargestellten Gegner hinweg. Der hier siegreich dargestellte Capito starb im Alter von 40 Jahren nach 19 Dienstjahren, fern seiner Heimat. Diese ist in der Inschrift genannt: Celeia, heute Celje in Slowenien.
Dativius-Victor-Bogen, 1. Hälfte des 3. Jh. n. Chr.
Inv. Nr. S 685.

Ein vermögender Ratsherr namens Dativius Victor hat diesen gewaltigen Bogen aus Dankbarkeit für empfangene Hilfe sowohl Jupiter als auch den Mainzern im 3. Jahrhundert n. Chr. gestiftet. Dativius Victor war Ratsherr in der römischen Stadt Nida, deren Reste im Stadtgebiet von Frankfurt ausgegraben wurden. Der Bogen wurde wohl schon bald nach seiner Errichtung wieder abgerissen, denn seine Steinblöcke verschwanden in den Fundamenten der spätrömischen Stadtmauer von Mainz, die in der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. errichtet wurde. Kurz vor 1900 wurden die Steinblöcke gefunden, als am Kästrich Teile der Stadtmauer abgetragen wurden.