Schätze aus der Renaissance

Bretzenheimer Madonna
Inv. Nr. 0/2510
Mittelrhein, um 1480, Lindenholz, farbig gefasst

Die qualitätvolle Holzskulptur einer Madonna mit dem Jesusknaben auf dem Arm befand sich in Mainz-Bretzenheim auf dem Speicher eines Hauses, bevor sie 1904 vom Mainzer Altertumsverein erworben wurde. In Gesängen und Legenden des Mittelalters wurde Maria als Himmelskönigin verehrt und wurde als solche mit einer Krone dargestellt. Mit dem rechten Fuß tritt sie auf eine Mondsichel – ein Motiv aus der Offenbarung des Johannes, das die Gottesmutter mit dem „apokalyptischen Weib“ in Verbindung brachte und seit dem 15. Jahrhundert verbreitet war.
Flämischer Maler des 16. Jahrhunderts, Der Heilige Hieronymus in der Einöde
Inv. Nr. 78
1525-50, Öl/Holz

Der hl. Hieronymus, einer der vier Kirchenväter, ist hier nicht als Gelehrter in der Studierstube wiedergegeben, sondern als büßender Eremit. Dieses Bildthema war im Florenz der Frührenaissance entwickelt worden und fand dann vor allem in den Niederlanden großen Anklang. Vor dem Hintergrund einer hoch aufragenden Felslandschaft kniet der Heilige, versehen mit seinen Attributen, dem Löwen, dem Totenkopf und dem roten Kardinalshut. Der Stein in seiner Rechten ist ein Zeichen seiner Selbstkasteiung; der Kreuzesstab mit dem Kruzifix weist auf eine kleine Szene im Hintergrund, die noch einmal Hieronymus mit dem Löwen zeigt.
Lorenzo di Credi (1459-1537), Madonna mit Christuskind
Inv. Nr. 220
Um 1480/90, Tempera, Öl/Holz

Das Bild einer thronenden Madonna mit Kind, das sich ehemals im Besitz Ludwigs XIV. befand, kam im Jahre 1803 im Zuge revolutionärer Umschichtungen als Geschenk des französischen Staates nach Mainz. Credi, Sohn eines Florentiner Goldschmieds, arbeitete in der Werkstatt von Andrea del Verrocchio, dessen Einfluss unverkennbar ist. Maria, mit entblößter Brust, ist gehüllt in einen weiten Mantel, der durch seine tiefblaue und dominante Farbe das Bild bestimmt. Die als Girlanden und Sträuße detailliert gemalten Pflanzen und Blumen sind als Mariensymbole zu deuten. Das Madonnenbild gehört zu der Gattung privater Andachtsbilder der florentinischen Malerei des 15. Jahrhunderts.
Lucas Cranach d. Ä., Werkstatt, Bildnis Kardinals Albrecht II. von Brandenburg
Inv. Nr. 304
1543, Öl/Holz

Albrecht von Brandenburg (1490-1545), der mächtigste Kirchenfürst seiner Zeit, Erzbischof von Magdeburg und Administrator von Halberstadt, wurde 1514 zum Erzbischof und Kurfürsten von Mainz und 1518 zum Kardinal ernannt. Verbunden mit seiner Person ist der Ablasshandel (die Sündenvergebung gegen Geld), der schließlich einen wesentlich Anstoß zur Reformation und Luthers Anschlag der Thesen gab. Zugleich war Albrecht aber auch ein Förderer und Mäzen der Kunst. So gab er sein Porträt bei den bekanntesten Malern seiner Zeit, z. B. Lucas Cranach und Albrecht Dürer, in Auftrag. Hier ist Albrecht als Privatperson ohne die Insignien seiner Macht dargestellt.
Albrecht Dürer (1471-1528), Werkstatt, Adam und Eva
Inv. Nr. 438 a und b
Nach 1507, Öl/Holz

Ein zentrales Anliegen der Renaissance war das anatomische Vermessen des menschlichen Körpers. So ist hier das erste Menschenpaar Adam und Eva nach der Dürerschen Proportionslehre in idealer Schönheit dargestellt. Beide Tafeln sind Kopien nach den 1507 gemalten Originalen Albrecht Dürers, die sich heute im Prado in Madrid befinden. Die Kopien hingen bis 1801 im Nürnberger Ratssaal; dort wurden sie von Kunstkommissaren der französischen Revolutionsarmee entwendet und nach Paris verbracht. 1803 erhielt Mainz die Bilder zum Geschenk. Während des Transports fielen die Bilder bei Metz in die Mosel. Die dadurch entstandenen Schäden machten eine Restaurierung notwendig.
Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), Werkstatt, Der hl. Hieronymus im Gehäus
Inv. Nr. 439
Um 1520, Öl/Holz

Zwei Szenen aus dem Leben des hl. Hieronymus werden im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert immer wieder dargestellt: der Heilige als büßender Eremit oder als Gelehrter und Bibelübersetzer in seiner Studierstube. Auch Studiolo oder Gehäus genannt, wurden solche Studierstuben während der Zeit des Humanismus häufig im Bild thematisiert. Hier sitzt Hieronymus, gekleidet in ein rotes Kardinalsgewand, in einem spärlich möblierten Raum und entfernt einem Löwen, der der Legende nach verletzt zu ihm ins Kloster kam, einen Dorn aus der Tatze. Fortan blieb der Löwe bei ihm als zahmes Haustier und gilt als sein Attribut.
Meister des Bartholomäus-Altars, Hl. Andreas und hl. Columba
Inv. Nr. 441
Um 1500 – 1510, Tempera, Öl/Holz

Der Künstler dieser Tafel, von dem man bis heute wenig weiß, erhielt den Notnamen „Meister des Bartholomäus-Altars“ nach seinem Hauptwerk mit der Darstellung des hl. Bartholomäus. Er gilt als einer der großen europäischen Künstler des späten 15. Jahrhunderts und war in Köln ansässig. Aus Köln stammt wohl auch das Mainzer Tafelgemälde mit den beiden Heiligen, die jeweils mit ihren persönlichen Attributen versehen sind: Der Apostel Andreas mit dem Astkreuz und die Märtyrerin Columba mit der Bärin, von der sie der Legende nach beschützt wurde. Der dazugehörige Flügel befindet sich in der National Gallery in London. Die Mitteltafel ist verloren.
Ulmer Meister, Porträt des Baumeisters Moritz Ensinger
Inv. Nr. 444
1482, Tempera, Öl/Holz

Einen Hinweis auf die Person des Dargestellten gibt das Wappen in der linken oberen Bildecke, das als Meisterwappen des Ulmer Münsterbaumeisters Moritz Ensinger (um 1430 – 1482/83) identifiziert werden kann. Die in gotischen Ziffern ausgeführte Jahreszahl 1482 weist möglicherweise auf das Todesjahr Ensingers hin. Somit wäre das Porträt als eine „Gedenktafel“ zu verstehen, die dem berühmten Baumeister zu Ehren gemalt wurde. Derartige Baumeisterbildnisse fanden im späten 15. Jahrhundert zunehmend Verbreitung.
Martin Caldenbach (um 1470-1518), Flügelaltar mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige
Inv. Nr. 414
Um 1505, Tempera, Öl/Holz

Der Flügelaltar des Frankfurter Malers Martin Caldenbach kam 1803 aus der ehemaligen Welschnonnenkirche in Mainz in den Besitz der städtischen Gemäldegalerie. Da man dorthin die während der Revolutionszeit geraubten Kunstschätze verbracht hatte, liegt die Herkunft aus einer Mainzer Kirche – vermutlich St. Stephan – nahe. Der Altar ist nicht mehr vollständig; der fehlende linke Flügel befindet sich im Frankfurter Städel (Innenseite) und in Privatbesitz (Außenseite). Die auf der Mitteltafel dargestellte Anbetung der Heiligen Drei Könige lehnt sich in der Auffassung des Themas und der Wiedergabe der malerischen Details an Albrecht Dürer an.