Lorenzo di Credi: Madonna mit Christuskind
Lorenzo di Credi: Madonna mit Christuskind
Bildnis Kardinals Albrecht II. von Brandenburg
Lucas Cranach d.Ä.: Bildnis Kardinals Albrecht II. von Brandenburg

Renaissance

"Der vermessene Mensch"

Die kleine Renaissance-Abteilung umfasst Gemälde, die einerseits auf die französische Überweisung von 1803 zurückgehen, andererseits aus aufgelöstem Kirchenbesitz stammen. Lorenzo di Credis „Madonna mit Christuskind“ und die Dürer-Kopien von Adam und Eva, beides aus Paris überwiesene Gemälde, markieren jeweils die Pole der damaligen Kunstentwicklung: das Festhalten an der religiösen Tradition auf der einen, die Rückbesinnung auf die Antike auf der anderen Seite.

Während sich in Lorenzo di Credis Madonna der traditionelle, religiöse Bildtypus mit dem in der Renaissance neu erwachten Interesse an einer realistischen Darstellung von Mensch und Natur verbindet, liegt bei den überlebensgroßen Darstellungen von Adam und Eva das Schwergewicht auf der möglichst genauen Wiedergabe der anatomischen Richtigkeit. Die exakt konstruierte Perspektive bei der Darstellung von Menschen war eine wichtige Errungenschaft der italienischen Renaissance. Immer wieder lassen sich den Bildwerken dieser Abteilung die gegensätzlichen Körperauffassungen von Spätgotik und Renaissance ablesen, z. B. bei der Skulptur „Christus als Schmerzensmann“ oder dem vom Kreuz abgenommenen Christus auf dem Gemälde der Kreuzabnahme von Jan Sanders van Hemessen. Altartafeln, die oftmals während der Säkularisation aus ihrem größeren Altarzusammenhang herausgerissen wurden, präsentieren die Hochblüte spätmittelalterlichen Kunstschaffens an der Schwelle zur Renaissance.Aus der Zeit nach 1500 stammt die Tafel des in Köln tätigen „Meister des Bartholomäusaltares“ mit der Darstellung der Heiligen Andreas und Columba, die den rechten Seitenflügel eines Triptychons bildete. Ihr Gegenstück befindet sich heute in der National Gallery in London. Der Flügelaltar von Martin Caldenbach, von dem sich der Mittelteil mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige sowie der rechte Seitenflügel im Landesmuseum Mainz befinden, stammt ursprünglich aus der Kirche St. Stephan in Mainz. Das Triptychon von Eusebio Ferrari zeigt dagegen statt des spätgotischen Wandelaltares den italienischen Typus eines Altares ohne bewegliche Flügel.