Schätze aus der Sammlung Niederländische Malerei

Isaak Luttichhuys (1616-1673), Bildnis einer Dame
Inv. Nr. 809
1657, Öl/Leinwand

Vornehmheit und Eleganz der Dame drücken sich in den zierlich gespreizten Fingern und den kostbaren Stoffen ihres Kleides aus. Auch der Schmuck betont ihren hohen sozialen Rang. Die Rose in ihrer Linken war als Symbol der Liebe wohl ihrem Gatten zugedacht, dessen heute verschollenem Bildnis sie die Blume entgegenhielt. Zur Entstehungszeit des Gemäldes widerstand das kleine protestantische Holland als Seemacht einem mächtigen feindlichen Umfeld. Der Farbklang des Bildes spielt mit Rot, Weiß und Blau selbstbewusst an auf die Flagge Hollands, das seine nationale Unabhängigkeit gegenüber Spanien behauptete.
Lucas van Valckenborch (1535/36-1597), Turmbau zu Babel
Inv. Nr. 53
Um 1595, Öl/Eichenholz

Der Künstler musste aus Glaubensgründen aus den Niederlanden fliehen und ließ sich in Frankfurt a. M. nieder. Mehrfach hat er sich in der Tradition Pieter Brueghels mit dem Thema auseinandergesetzt. Der mächtig aufragende Turm ist noch nicht vollendet. Menschen und Tiere, in ameisenhaftem Gewimmel wiedergegeben, arbeiten an der Vollendung des Werkes. Im Vordergrund besucht der legendäre Bauherr König Nimrod die Baustelle. Der in der Bibel beschriebene Turmbau zu Babel ist ein Beispiel für die Vermessenheit des Menschen. Gott strafte die Menschen, indem er ihnen verschiedene Sprachen gab. Da sie sich nicht mehr untereinander verständigen konnten, mussten sie den Bau aufgeben.
Paul Bril (1554-1626), Gebirgslandschaft
Inv. Nr. 60
Um 1595, Öl/Kupfer

Im Jahr 1574 reiste der flämische Maler und Kupferstecher Paul Bril nach Rom, wo er für verschiedene Päpste arbeitete und bis zu seinem Lebensende blieb. Neben Aufträgen für Fresken und mythologischen und religiösen Werken widmete er sich in einer Anzahl kleinformatiger Ölbilder den klassischen Ideallandschaften. Dem Blick des Betrachters öffnen sich weite Landschaftspanoramen, die in ihrem Nebeneinander von schroffen Felsen, lieblichen Matten und Flusstälern in der Tradition niederländischer Weltlandschaften stehen. Der Einfluss Italiens zeigt sich in der Lichtführung und dem intensiven Hell-Dunkel-Kontrast.
Paul de Vos (um 1591-1678), Allegorie der ehelichen Treue
Inv. Nr. 73
Um 1650, Öl/Leinwand

Der alte Titel, unter welchem das Bild 1803 mit der „französischen Zuweisung" nach Mainz kam, war „Frau im Geflügelhof". Das Halten exotischer Tiere in speziellen Gartenbereichen herrschaftlicher Landvillen war bis zum 17. Jh. in den Niederlanden üblich. Die Vögel schmückten mit ihrem farbigen Federkleid die Parkanlagen oder versorgten als Nutztiere die Eigentümer mit Eiern und Fleisch. Hinter dieser profanen Erklärung des Bildmotivs liegt jedoch ein gelehrtes, kompliziertes Geflecht allegorischer Bedeutungen und die Betrachter hatten damals Spaß daran, dies zu enträtseln: Pfauen, Hunde, Enten, Hühner und Tauben, alle spielen auf die eheliche Treue an.
Peter Binoit (?-1632), Blumenstrauß
Inv. Nr. 83
Um 1620, Öl/Eichenholz

Über den Lebensweg des in Köln geborenen Malers Peter Binoit ist wenig bekannt. Nachweislich war er in Frankfurt und Hanau als Stilllebenmaler tätig. Bekannt wurde er durch seine Gemälde von Blumensträußen, die beim Publikum so beliebt waren, dass er gleich mehrere Fassungen von einem Bild malen musste. Das besondere an dem Mainzer Blumenstück ist die Zusammenstellung von heimischen und exotischen Blumen, die zu verschiedenen Jahreszeiten blühen. Die üppigen Blumensträuße spielen auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens an, da Blüten für den Verfall äußerer Schönheit stehen.
Frans Post (1612-1680), Brasilianische Landschaft
Inv. Nr. 153
1652, Öl/Eichenholz

Im Gefolge des Grafen J. Moritz von Nassau-Siegen (1604-1679), der Generalgouverneur der Provinz Pernambuco und Sachwalter der Westindischen Kompanie war, reiste der Künstler 1636 nach Brasilien. Nach seiner Rückkehr nach Holland 1644 malte er weiterhin tropische Landschaften wie unser Bild zeigt. Wahrscheinlich hat Post hier eine Plantage dargestellt, die bereits vor der Invasion der Holländer (1630) bestand: Im Vordergrund ein kleiner Indianermarkt, dann der sich zum See stauende Fluss, dahinter die Zuckerrohr-Mühle. Am Horizont erheben sich Herrenhaus und Kapelle, dazwischen Palmen. Posts Gemälde sind bis heute sehr begehrt.
Jacob Jordaens (1593-1678), Anbetung der Hirten
Inv. Nr. 390
Um 1625, Öl/Leinwand

Jordaens ist nie nach Italien gereist. Dennoch zeigen seine Werke Einflüsse Caravaggios (1573-1610). Das Hell-Dunkel der Lichtführung und ein drastischer Realismus stellen ihn geistig in die Gefolgschaft des Italieners. Oft haben die Heiligen schmutzige Fußsohlen und Fingernägel, immer stammen die Modelle aus unteren Volksschichten, gerade in der „Hirten-Anbetung". Das Jesuskind kneift geblendet vom Licht seiner eigenen Windeln die Augen zu. Den Hund interessiert der Brotbrocken des Hirtenjungen mehr als der neugeborene Heiland. Die Muttergottes zeigt die Porträtzüge von Jordaens eigener Frau. Das christliche Heilsgeschehen findet mitten im Alltag statt.
Gerrit van Honthorst (1592-1656) oder Werkstatt, Das Konzert
Inv. Nr. 392
Um 1624, Öl/Leinwand

Honthorst arbeitete zehn Jahre in Rom. Dort beeindruckten ihn der schockierende Realismus und die Hell-Dunkel-Manier Caravaggios. Wieder in Holland, wurde er 1620 Mitglied der „Utrechter Caravaggisten". Über seine Gemälde trug er dazu bei, die Ideen des Italieners im Norden zu verbreiten. Im „Konzert" sind die Personen in starker Untersicht dargestellt – Honthorst wusste, dass das Bild über einem Kamin hängen würde und nahm daher das Kaminfeuer als Lichtquelle, von dessen Hitze die Wangen der drei Sängerinnen und der fröhlich schwebenden Putten gerötet sind. Dieser Realismus verschmolz Bild, Darstellung und Raum zur perfekten Illusion.
Willem Claesz. Heda (1593/94?-1680/82), Stillleben
Inv. Nr. 598
Um 1640, Öl/Eichenholz

Der in Haarlem tätige Maler ist einer der wichtigsten Vertreter der holländischen Stilllebenmalerei. Seine so genannten „Frühstücksstillleben“ zeichnen sich durch eine sehr reduzierte Farbpalette aus. Auch die Anzahl der auf dem Tisch angerichteten Gegenstände ist beschränkt. Neben dem kostbaren Tafelgeschirr, dem Messer mit Perlmuttgriff und dem Wein im Römerglas sieht man eine geschälte Zitrone, ein gedrehtes Schneckengehäuse, Haselnüsse und Nussschalen. Solche für uns ungewöhnlichen Zusammenstellungen haben oft einen tieferen Sinn: So sind z. B. die Zitronen in der zeitgenössischen Literatur Sinnbild für das Schöne, dessen Inhalt (Wesen) bitter ist.