Blumenstrauß
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Gebirgslandschaft
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Das Konzert
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Niederländische Malerei

"Sinnesfreuden und Moral"

Trotz kriegerischer Auseinandersetzungen in ganz Europa blühte im 17. Jh. die Kunst in den Niederlanden. In Holland förderte das calvinistische Bilderverbot in den Kirchen die weltliche Kunst für die Salons und Wohnstuben von Adel und Bürgertum. Dort wurden die Motive weniger der Bibel als dem Lebensalltag entnommen. 

Diese rein weltlich scheinenden Bilder enthalten jedoch oftmals die Aufforderung zu einem gottgefälligen Lebenswandel. So mahnt z. B. ein Blumenstillleben wie das des niederländischen Glaubensflüchtlings Peter Binoit, der in Hanau Asyl fand, mit seinen prachtvollen Blüten trotz der sinnlichen Farbfülle an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Denn wenigstens eine Blüte ist im Stadium des Verwelkens gezeigt, ihre Blätter sind zerfressen, Käfer, Schnecken und Vögel umkreisen den Strauß. Lustige Trinkgelage mit Zechern halten den Betrachter zu einem sittlich-keuschen Lebenswandel an. Auf hoher See vom Sturm getriebene oder gegen Felsenriffe geworfene Schiffe sollten den über den Seehandel reich gewordenen Niederländern allegorisch vor Augen halten, dass eine nicht fest in Gott verankerte Seele dem Leben hilflos preisgegeben ist.

In den südlichen Provinzen der Niederlande, die beim spanischen Reich verblieben waren, wurde mit der Gegenreformation die Rekatholisierung eingeleitet, die als eines der wichtigsten Medien die religiöse Kunst als Propaganda einsetzte und in die Kirchen zurückholte.

In der Mainzer Niederländer-Sammlung fehlen die ganz großen Namen wie Rembrandt, Rubens oder Vermeer. Dafür erlaubt die Fülle kleinerer Meister das Studium der einzelnen regionalen Malerschulen Hollands und Flanderns. Trotz einer Vielfalt an Themen erweist sich das gemeinsame Interesse der Künstler und Kunstkäufer an einer qualitativ hoch stehenden Kunst, in der Humor, Lebensweisheit, religiöse Hingabe und Moral gleichberechtigt nebeneinander existieren und ein lebendiger Spiegel der niederländischen Gesellschaft jener Zeit sind.