Kassandra
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Kahnfahrt
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Bei der Wäsche
Bei der Wäsche

Kunst um 1900

"Sehnsucht nach dem Licht"

Um 1900 formieren sich die verschiedenen künstlerischen Strömungen neu. Es wurden Künstlervereinigungen gegründet, die außerhalb der staatlichen Akademien standen. Man brach mit der klassischen Tradition mit dem Ziel, die strengen Auswahlkriterien der Akademien bei Jahresausstellungen zu umgehen und Stilvielfalt zuzulassen. Die wichtigsten Vereinigungen waren die Münchner und die Berliner Sezession.

In den Sezessionen schlossen sich Künstler zusammen, die neue Wege verfolgen wollten. Unter dem Motto „L’art pour l’art“ – die Kunst um der Kunst willen – konnte man in juryfreien Ausstellungen die ganze Spannbreite an künstlerischen Ausdrucksformen, Themen, Motiven und Malweisen finden, die es zu jener Zeit überhaupt gab: Realismus, Impressionismus, Symbolismus, Jugendstil. Vor allem die Tendenz zu helleren, lichten Farben, die die Maler seit dem französischen Impressionismus faszinierte, wurde spürbar. Landschaften, aber auch Porträts und szenische Bilder wurden „en plein air“, „in freier Luft“ gemalt. Die natürliche Helligkeit und die damit verbundene Farbigkeit wurden in der Freilichtmalerei als wahres Sehen und Erleben dargestellt. Die industrielle Herstellung von Farben in Tuben förderte diese Malerei. In Deutschland waren Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth die ersten Freilichtmaler. Wechselseitige Porträts von Liebermann und Slevogt machen auf die enge Verbindung der Maler untereinander aufmerksam. Der Wahlpfälzer Slevogt ist überdies mit dem ungewöhnlich komponierten Gemälde „Libysche Wüste“ vertreten, das dem 20 Jahre früher entstandenen realistischen Wüstenbild Eugen Brachts gegenübergestellt ist, und so die Spannbreite der Kunstströmungen verdeutlicht.Ein weiterer Aspekt dieser Zeit um 1900 ist die Rolle der Frau. Die fest gefügte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern geriet ins Wanken. Künstler stellten die männlichen Konkurrenzängste in Bildern des männermordenden Weibes dar: Eva, Salome, Delila, Judith. Die Frau als Verführerin zeigt Slevogt in seinem beeindruckenden Gemälde „Tilla Durieux als Weib des Potiphar“. In dieses Spektrum der verschiedensten Strömungen fügen sich auch die ausgestellten Möbel, bei denen die industriellen Serienprodukte (Sitzgruppe der Gebrüder Michael Thonet) den individuellen, handwerklichen Fertigungen (Schreibtisch von Carlo Bugatti) extrem gegenüberstehen.