Schätze aus dem Jugendstil

Schleißheimer Straße
Adolf Hölzel (1853 – 1934), Schleißheimer Straße, 1904, Öl/Leinwand, Inv. Nr. 932. Hölzel zog 1888 von seinem Studienort München nach Dachau, wo er in der Malerschule um den deutschen Impressionisten Fritz von Uhde Fuß fasste. Er wurde bald zum Haupt der Künstlergemeinschaft "Neu-Dachau" und unterrichtete Malerei. Die "Schleißheimer Straße" zeigt noch die breite Malweise des Impressionismus und die erdigen Farbtöne der deutschen akademischen Malerei, die Hölzel aber bald aufgab. 1906 wurde er an die Stuttgarter Akademie berufen und verfasste dort seine theoretischen Schriften, die großen Einfluss auf die moderne Kunst hatten. Nicht Farbe oder Pinselstrich sollten Ausdrucksträger des inneren Erlebens sein, sondern allein die Form.
Olga auf der grünen Wiese
Friedrich Karl Ströher (1876 – 1925), Olga auf der grünen Wiese, 1908, Öl/Leinwand, Inv. Nr. DL 1996/80. Beherrscht wird die grüne Rasenfläche von dem weit ausgebreiteten Rock eines weißen Kleides, in dem Ströhers Modell Olga steckt. Wie eine große Blume sitzt sie auf der Wiese, mit einer Hand stützt sie sich auf. Einer ihrer Schuhe schaut links unter dem Rockrand hervor. Ihr Gesicht, umgeben von hochgestecktem, rotblondem Haar, ist ernst, fast unbeweglich, der Blick ist versunken und geht in die Ferne. Ströher hatte Olga Meißner im Sommer 1908 mit auf eine Reise nach Polen genommen. Er liebte ihr rötliches Haar und ihren hellen Teint und malte sie oft als Akt. Das lichtdurchflutete Bild wurde 1910 auf der großen Berliner Kunstausstellung gezeigt.
Vase (Dekor: Rosa Phänomen)
Johann Loetz Wwe. (Klostermühle/Böhmen, heute Tschechien), Vase (Dekor: Rosa Phänomen), 1900-1903, Inv. Nr. 74/299. Die traditionelle Glashütte Johann Loetz Wwe. wird bis 1900 zu einer der bedeutendsten Glashütten Europas. Großen Erfolg erzielt das aufwändig irisierte, so genannte „Phänomenglas“. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris werden die Gläser dieser Glashütte mit hohen Auszeichnungen bedacht, womit auch der Bereich des österreich-böhmischen Kunstglases in den Blickpunkt der Welt gelangt. Interessant ist die Ähnlichkeit der Gläser mit denen von Tiffany. Dies liegt am separaten, aber vergleichbaren Erarbeiten der Iris-Effekte und vielleicht auch daran, dass Tiffany seine Glashütte teils mit Fachleuten aus Österreich-Böhmen betrieb.
Vase mit Karpfen
Emile Gallé (1846-1904), Vase mit Karpfen, 1889, Überfangglas, geschnitten, Inv. Nr. 78/15. Emile Gallé gilt als wichtigster Glaskünstler des Jugendstils. Seine Inspirationen erhält er aus Pflanzenwelt und überträgt deren Farben und Formen in die Glasgestaltung. Zusätzlich gewinnt Japan immer stärkeren Einfluss auf Gallés Werk. Er studiert sowohl japanische Farbholzschnitte wie auch die chinesisches und japanisches Kunsthandwerk. Diese Einflüsse führen zur Gestaltung der ostasiatisch anmutenden Gläser, die ihn auf der Weltausstellung 1889 zu seinem triumphalen Erfolg führen und international begeistert aufgenommen und beworben werden. Die hier gezeigte „Vase mit Karpfen“ gehört zu dieser Gruppe; auf der Unterseite ist eingraviert: „Exposition 1889“.
Tischlampe, Modell „Bamboo“
Louis Comfort Tiffany (1848-1933), Tischlampe, Modell „Bamboo“, 1898, Schirm: Glasmosaik in lackierter Bleifassung; Fuß: Bronze, Inv. Nr. KH 83/11. Louis Comfort Tiffany (1848 – 1933) gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Vertreter des Jugendstils. Von der Farbenpracht gotischer Kirchenfenster inspiriert, entwickelt er zunächst Glasfenster, die wie Glasmalereien mittels Metallstegen gefasst sind. Die Erfindung der Glühbirne kurz vor 1900 eröffnet neue Möglichkeiten, weil die Gestaltungseinschränkungen durch offene Flammen als Lichtquelle entfallen. Das versetzt Tiffany in die Lage, die farbigen Glasscheiben nun auch zu räumlichen Glaskörpern zu gestalten, die als Lampenschirme Verwendung finden. Der Name „Tiffany“ wird so zu einem festen Begriff für amerikanische Lampen des Jugendstils.
Vase mit Magnolien
Burgun, Schverer & Co., Meisenthal (Lothringen), Vase mit Magnolien, um 1895-1900, Inv. Nr. 84/42. Die bereits 1711 in Meisenthal gegründete Firma zählt Ende des 19. Jahrhunderts zu den leistungsfähigsten Glashütten. Von 1867 bis 1868 lernt der junge Emile Gallé hier. Von 1885 bis 1895 lässt Gallé nach seinen Entwürfen bei Burgun, Schverer & Co. in Meisenthal produzieren. Gleichzeitig produziert diese Glashütte mit ihren Glaskünstlern nach eigenen Entwürfen. Verträge beider Urheber regeln die korrekte Trennung der Entwürfe und Glastechniken. Die „Vase mit Magnolien“ belegt die meisterhafte Beherrschung schwierigster Glasveredelungstechniken, wie Glasüberfänge, der „Malerei zwischen den (Glas)schichten“, Glasschliff und Glasschnitt und nicht zuletzt auch der Emaillemalerei.
Wandteppich „Fünf Schwäne“
Otto Eckmann (1865-1902), Wandteppich „Fünf Schwäne“, 1896-1897, Leinenkette, Wollschuss, Inv. Nr. KH 1998/60. Der Schwanenteppich Otto Eckmanns zählt zu den berühmtesten und bekanntesten Werken des deutschen Jugendstils. Er wurde von der nicht weniger bekannten Webkunstschule Scherrebeck in Schleswig-Holstein nach dem Entwurf Eckmanns in einer Auflage von ca. 100 Stück gefertigt. Das extrem schlanke Hochformat war zu dieser Zeit bereits von japanischen Pfostenholzschnitten bekannt. Der symbolbeladene Schwan in Verbindung mit den für den Jugendstil typischen geschwungenen Linien, die der Bachverlauf verkörpert, eine solche Bildkomposition traf den Zeitgeschmack des aufkeimenden Jugendstils und begründet die Berühmtheit dieses Teppichs.
Versuchung – Adam und Eva
Franz von Stuck (1863 – 1928), Versuchung – Adam und Eva, um 1912, Öl/Holz, Inv. Nr. GE 82/3. In dem vom Künstler entworfenen Originalrahmen, der wie ein kleiner Tempel wirkt, stehen sich zugewendet Mann und Frau. Er, in dunklerer Hautfarbe als Rückenakt, sie, hellhäutig, mit tizianrotem Haar, in Frontalansicht. Sie ist die Handelnde, sieht ihn lächelnd an, streckt ihm den rechten Arm entgegen, in dessen Hand der Kopf einer Schlange liegt, deren langer Leib sich über den Köper der Frau windet. Die Schlangenhaut schillert kräftig blau, im aufgesperrten Maul des Tieres wird ein grellroter Apfel sichtbar: Verführung, Sündenfall, herbeigeführt durch Eva, mit Adam als Opfer, war eine Hauptthema um 1900, Stuck hat es in immer neuen Varianten gemalt.