Schätze des Hohen und Späten Mittelalters

Hl. Sebastian aus Partenheim
Inv. Nr. 0/1361 = PL 25
Um 1500, Holz, farbig gefasst

Die Skulptur des hl. Sebastian stammt aus der Pfarrkirche in Partenheim (Rheinhessen), wo sie zusammen mit der Figur eines hl. Christophorus in einem Altar stand. Der Legende nach gehörte Sebastian zur Leibgarde des Kaisers Diokletian, wurde aber - als Anhänger des Christentums - unter dem Kaiser verfolgt, verklagt und zum Tode verurteilt: Bogenschützen durchbohrten seinen Körper mit Pfeilen. Daher wurde er besonders als Patron der Schützenbruderschaften, der Soldaten, Jäger und Büchsenmacher verehrt. In der Kunst des 15. Jahrhunderts wird der zumeist nur mit einem Lendentuch bekleidete Heilige gefesselt an einen Baum oder an eine Säule dargestellt.
Meister der Coburger Rundblätter, Ecce homo
Inv. Nr. 422
Um 1480/90, Tempera, Öl/Holz

Die insgesamt acht Tafeln mit Darstellungen aus der Passion Christi gehörten ursprünglich zu einem Altarretabel, zu dem weitere Szenen der Leidensgeschichte zu ergänzen sind. Die hier gezeigte Tafel zeigt, wie Christus mit Dornenkrone und Purpurmantel einer wartenden Volksmenge vorgeführt wird, die die Kreuzigung fordert. Pilatus weist mit den Worten „ecce homo“ (sehet, welch ein Mensch) auf Christus hin, dessen elende Gestalt den Betrachter zur Compassio, zum Mitleiden, auffordern soll. Der „Meister der Coburger Rundblätter“ erhielt seinen Notnamen nach zwei rundformatigen Federzeichnungen, die in den Sammlungen der Veste Coburg aufbewahrt werden.
Verkündigung an Maria, aus dem Mainzer Marienleben
Inv. Nr. 429-437
Um 1500/05, Tempera, Öl/Holz,

Die neun Tafeln mit Darstellungen aus dem Leben der Gottesmutter Maria zählen zu den wichtigsten Werken des Landesmuseums. Der nicht mehr vollständig erhaltene Zyklus, der mit dem Tempelgang Mariens beginnt und mit dem Marientod endet, gehörte ursprünglich zu einem Flügelaltar. Die Tafeln werden der Werkstatt des so genannten „Hausbuchmeisters“ zugeschrieben, über dessen Herkunft und Ausbildung nichts bekannt ist. Sein Name wird mit den Zeichnungen in einem „Hausbuch“ in Verbindung gebracht, das sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Fürsten zu Waldburg Wolfegg befindet.
Meister des Obersteiner Altares, Christus vor Pilatus
Inv. Nr. 816
Um 1420, Tempera, Öl/Holz

Die Tafel war ursprünglich Teil eines Flügelaltares und stammt vermutlich aus der Kirche St. Stephan in Mainz. Der namentlich nicht bekannte Meister wird nach seinem Hauptwerk, dem Altar der Felsenkirche in Idar-Oberstein, benannt. Dargestellt ist jener Augenblick aus der Passionsgeschichte Christi, in dem sich der römische Statthalter Pilatus die Hände in Unschuld wäscht, während Christus, zur Kreuzigung verurteilt, von einer Horde Schergen abgeführt wird. Der Hofnarr des Pilatus im Mittelpunkt des Bildes trägt das Richtschwert seines Herrn: Die Narrheit hat das Regiment übernommen.
Tafel vom Partenheimer Hochaltar, Rettung der Hostie
Inv. Nr. 849
Um 1500, Tempera, Öl/Holz

Bei der doppelseitig bemalten Tafel handelt es sich um einen Flügel des ehemaligen Hochaltares aus der Kirche St. Peter in Partenheim (Rheinhessen). Dargestellt ist ein wichtiges Ereignis aus der Geschichte der Stadt, durch das Partenheim zum Wallfahrtsort wurde. Im Jahr 1435 wurde der romanische Vorgängerbau der gotischen Kirche durch einen Brand völlig zerstört, nur die Hostien blieben unversehrt. Die Tafel zeigt einen aus der brennenden Kirche eilenden Mann, der in verhüllten Händen die Hostiendose hält. Der Priester, der bereits die ebenfalls gerettete Monstranz trägt, nimmt die Hostie in Empfang.
Heiliger Martin und der Bettler
Inv. Nr. 1109
Um 1480/90, Tempera, Öl/Holz

Neben der Darstellung der Mantelspende des hl. Martin begegnet im späten Mittelalter häufig auch die Darstellung des Heiligen als kirchlicher Würdenträger in bischöflichem Ornat mit Krummstab und Mitra. In seiner Eigenschaft als Wohl- und Wundertäter wirft Martin dem vor ihm knienden Bettler eine Münze in die Schale. Die Beinstümpfe des Bettlers kennzeichnen seine Krankheit und weisen den Heiligen zugleich als Patron der Leprakranken aus. Das Wappen des Mainzer Domkapitels lässt auf einen geistlichen Stifter der Tafel schließen.
Madonna aus Kamp
Inv. Nr. 89/76
Um 1410/20, Eichenholz, farbig gefasst

Die spätgotische Madonna stammt wahrscheinlich aus der nicht mehr erhaltenen gotischen Pfarrkirche St. Nikolaus in Kamp am Niederrhein, gelangte später zunächst in Privatbesitz und befindet sich seit 1989 im Landesmuseum Mainz. Die „Kamper Madonna“ gehört zu dem Typus der so genannten „schönen Madonnen“, die in spätgotischer Zeit weit verbreitet waren. Charakterisiert durch die weichen Schüsselfalten vor ihrem Leib und durch die seitlich fallenden Faltenkaskaden verkörpert sie den „weichen Stil“ um 1400. In Legenden und Gesängen des Mittelalters wurde Maria als Himmelskönigin verehrt und trägt daher eine Krone auf dem Kopf.
Zinne vom Kaufhaus am Brand
Inv. Nr. S 3105
Um 1320, Roter Mainsandstein

Mainz war seit römischer Zeit ein wichtiger Handelsstandort. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde das Kaufhaus am Brand errichtet. Reisende Kaufleute mussten dort gemäß einer Mainzer Zollverordnung 3 Tage lang ihre Waren auslegen. König Ludwig der Bayer hatte im Jahr 1317 den Mainzer Bürgern das Recht erteilt, Gebühren für den Handel zu erheben. Das Kaufhaus war an der Frontseite mit einer Zinnenreihe geschmückt, die auf flachen Reliefs die Darstellungen der weltlichen und geistlichen Kurfürsten trugen. Im frühen 19. Jahrhundert wurde das seit 1793 schwer beschädigte Kaufhaus abgebrochen, die Reliefs gelangten in die städtische Sammlung.
Madern Gerthener zugeschrieben, Relief mit Wappenhalterin
Inv. Nr. S 3123
Um 1420, Gelber Sandstein

Madern Gerthener, Steinmetz und Stadtbaumeister der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main, war einer der wichtigsten Künstler der Spätgotik am Mittelrhein. Das von ihm geschaffene Relief mit der Darstellung einer jungen Frau, die in jeder Hand ein Wappen hält, war wohl in die Wand eines Hauses eingelassen. Der Auftraggeber gehörte vermutlich dem Handwerksstand an, da auf den Wappen Winkeleisen und Hämmer zu sehen sind. Das Werk ist ein typisches Beispiel für den „weichen“ oder „schönen Stil“ um 1400 am Mittelrhein, der durch die höfische Mode mit den weich fließenden Falten charakterisiert ist.