Schätze aus Goethezeit und Biedermeier

Joseph Karl Stieler (1781 – 1858), Schutzengel am Bach
Inv. Nr. 3
1831, Öl/Leinwand

Stieler, zunächst in seiner Heimatstadt, dann in Aschaffenburg und Würzburg tätig, wurde 1812 von König Ludwig I. nach München gerufen und 1820 zum Hofmaler ernannt. Vor allem seine Bildnisse wurden sehr berühmt: Er malte den König im Krönungsornat, aber auch die „Schönheitsgalerie" in Schloss Nymphenburg, die viele Mätressen Ludwigs verewigte. Doch widmete er seine Kunst auch der Genremalerei. Hier gestaltete er das Thema „Schutzengel". Der Götterbote bewahrt ein Kind vor dem Ertrinken, eine Schlange symbolisiert den Tod und das Böse. Stielers kühle Feinmalerei im klassizistischen Stil und die sentimentale Gestaltung erinnern an italienische Vorbilder.
Wilhelm Lindenschmit d. Ä. (1806 – 1848), Der Künstler mit seiner Familie
Inv. Nr. 87/28
1836, Öl/Leinwand

Lindenschmit, Mitglied einer über Generationen tätigen Familie von Künstlern und Wissenschaftlern, malte sich mit seiner Frau Johanna und den sechs gemeinsamen Kindern im siebten Ehejahr. Die Familie hat sich um einen Tisch versammelt, männliche und weibliche Mitglieder getrennt. Die Eltern reichen sich aber in der Bildmitte die Hände. An der Wand hängen Saiteninstrumente, die Harmonie bedeuten. Der Mutter und den Töchtern ist die Häuslichkeit zugeordnet, die Natur und die Pflege des Kindes in der Wiege. Beim Vater und den Söhnen finden sich Bücher und Malgerät als Zeichen für Wissenschaft und Kunst, Tätigkeiten, die nach außen wirken.
Heinrich Kempf (1814-1852), Ansicht des Mainzer Fischturms von der Stadtseite
Inv. Nr. 297
Um 1840, Öl/Leinwand

Über das Leben des Mainzer Biedermeiermalers ist wenig bekannt. Seit 1848 war er Konservator der Gemäldesammlung des Mainzer Kunstvereins und schuf neben Porträts auch eine Reihe Mainzer Stadtansichten. Dazu gehören mehrere Ansichten des Fischturms, der 1846 im Zuge städtebaulicher Veränderungen abgerissen wurde. Mit fast fotografischer Genauigkeit und Liebe zum erzählerischen Detail gibt Kempf den Fischturm, die umliegenden Wohnhäuser sowie das Leben und Treiben in den Gassen wieder. Einer alten Quelle zufolge porträtiert der Maler stadtbekannte Persönlichkeiten, wie z. B. den Briefträger Johann Hinkert.
Heinrich Carl Brand zugeschrieben (1724-1780), Porträt des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Friedrich Carl von Ostein
Inv. Nr. 318
1748/49, Öl/Leinwand

Johann Friedrich Karl von Ostein wurde 1743 zum Kurfürsten und neuen Erzbischof von Mainz gewählt. Unter seiner Regentschaft wurden verschiedene Reformen durchgeführt, die Wirtschaft neu belebt (1746 Gründung der Höchster Porzellanmanufaktur) und auch das Bauwesen (Osteiner und Bassenheimer Hof) gefördert. Das Bildnis wird dem Hofporträtmaler und Kammerdiener Heinrich Carl Brand zugeschrieben, der den Kurfürsten und Erzbischof mit den Insignien seiner Amtswürde wiedergibt. Auf der Sessellehne ist das kurfürstliche Wappen eingeschnitzt, über seinem Kurmantel trägt er das bischöfliche Brustkreuz.
Christian Georg Schütz (1718-1791), Ideale Flusslandschaft
Inv. Nr. 339
1788, Öl/Holz

Der Betrachter blickt auf eine Landschaft mit Fluss, dessen bewaldetes Ufer von Dörfern und Burgen gesäumt wird. Kleine Staffagefiguren sind auf dem Bild verstreut. Anregungen für seine Flusslandschaften erhielt Christian Georg Schütz 1750 auf einer Rheinreise, die ihn von Mainz bis Koblenz führte, und von der er Skizzen und Entwürfe mitbrachte. Goethe, der Bilder von Schütz in der Sammlung seines Vaters sah, stellte lobend fest, dass der Maler „die Rheingegenden ganz in seiner Gewalt“ habe. Diese idealen Rheinlandschaften, die ebenso auf eigener Naturerfahrung wie auf niederländischen Vorbildern beruhten, erfreuten sich großer Beliebtheit.
Justus Juncker (1703-1767), Stillleben mit Früchten
Inv. Nr. 355
1766, Öl/Leinwand bzw. Holz

Auf einem Marmortisch liegen Trauben, Äpfel, Pflaumen, eine Birne und eine angeschnittene Feige; Eine Fliege und eine Hummel haben sich auf den Früchten niedergelassen. Der in Mainz geborene und in Frankfurt ansässige Justus Juncker malte Stillleben mit geradezu naturkundlichem Interesse und orientierte sich dabei an den bei Frankfurter Sammlern hochgeschätzten niederländischen Malern des 17. Jahrhunderts. Goethe, der bereits als Knabe in seinem Elternhaus Kontakt zu Juncker hatte, brachte ihm zuweilen Blumen und Insekten, die der Maler so arrangierte, „dass zuletzt, was Nachahmung und Ausführung betraf, ein höchst schätzbares Bild beisammen war.“
Johann Conrad Seekatz (1719-1768), Die Kundschafter mit der Traube
Inv. Nr. 691
Um 1762, Öl/Leinwand

Seekatz war Darmstädter Hofmaler, als er zur Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage die Frankfurter Messen besuchte. So lernte er Goethes Vater kennen, der ihm nicht nur Unterkunft in seinem Haus anbot, sondern auch neue Aufträge vermittelte. Goethe selbst kannte ihn daher seit frühester Jugend, verbrachte viele Stunden in seinem Atelier und brachte dem Maler täglich seinen Kaffee, „denn er hatte mich gern um sich“, wie er in „Dichtung und Wahrheit“ schrieb. Das Thema des Bildes ist die Rückkehr der Kundschafter, die Moses ausgeschickt hatte, um das Land Kanaan zu erkunden. Staunend betrachten die Zurückgebliebenen die auf Stangen mitgebrachten Trauben.
Benjamin Heinrich Orth (1803 – 1875), Damenbildnis
Inv. Nr. 1392
1837, Öl/Leinwand

Mit wachen Augen, von adretten Korkenzieherlocken gerahmt, schaut eine junge Dame in nachdenklicher Pose von ihrer Lektüre auf. Diese liegt geöffnet auf einem eleganten, schlichten Tisch. Im Hintergrund wird eine Landschaft mit Wasser und Bergen sichtbar. Der Blickfang des Bildes ist das Gesicht der Dame, selbst ihr elegantes, weißes Kleid bietet keine Konkurrenz. Leben und Bewegung bei farblicher Zurückhaltung und eine gute Modellierung waren Ziele von Benjamin Orth, der bei seinem Vater Jakob Orth in Karlsruhe und dann an der Münchener Kunstakademie studiert hatte. Er gehörte in den 1830er Jahren zu den beliebtesten Mainzer Porträtmalern.
Philipp Veit (1793 – 1877), Portät von Marie von Guaita
Inv. Nr. MP 2005/5
Um 1838, Öl/Leinwand

Marie von Guaita (1815-1859) war die Tochter des Frankfurter Bürgermeisters Georg Friedrich von Guaita, der mit Meline, einer Schwester von Bettine und Clemens Brentano, verheiratet war. Marie war zunächst mit Anton Berna verheiratet, der 1836 starb. 1840 heiratete sie Ludwig Brentano. Das Gemälde zeigt sie als junge Witwe, ihr schwarzes Kleid und die beiden mit einem Kettchen verbundenen Ringe an ihrer linken Hand verweisen darauf. Philipp Veit versuchte als Porträtist, individuelle Gesichtszüge seiner Modelle weder zu stark zu idealisieren, noch zu realistisch darzustellen. Er schuf eine zweite Fassung des Porträts (Städel, Frankfurt).