Porträt Marie von Guaita
Porträt Marie von Guaita
Stillleben mit Früchten
Der Künstler Lindenschmit mit seiner Familie
Der Künstler Lindenschmit mit seiner Familie

Goethezeit und Biedermeier

„Heile Welt und Scheinidylle“

Wie der Kurfürst von Mainz hatten die meisten Adligen in der Zeit zwischen 1792 und 1815 Mainz verlassen und ihren Kunstbesitz mitgenommen. Nun traten reiche Bürger als Sammler hervor und engagierten sich für Wissenschaft und Kunst. Der 1823 in Mainz gegründete „Verein für Literatur und Kunst“ stellte regelmäßig Bilder zeitgenössischer regionaler Künstler aus, die zum Teil später der städtischen Gemäldegalerie übergeben wurden.

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts erfuhr die Sammlung durch Vermächtnisse und Stiftungen bürgerlicher Familien eine wesentliche Bereicherung. Ein Themenbereich dieser Abteilung ist den so genannten „Goethemalern“ gewidmet. Schon als Kind kam Johann Wolfgang von Goethe in seinem Elternhaus am Großen Hirschgraben in Frankfurt mit Künstlern seiner Zeit in Berührung. Von Malern wie Conrad Seekatz, Johann Georg Trautmann oder Justus Juncker zeigt das Landesmuseum eine Auswahl kleiner Kabinettbilder, deren Themen zumeist der biblischen Geschichte entnommen sind. Einer der führenden Landschaftsmaler des Mittelrheingebietes der Zeit um 1800 war der hauptsächlich in Frankfurt tätige Christian Georg Schütz d. Ä., der großen Einfluss auf die Landschaftsmalerei der Mainzer Brüder Johann Caspar und Georg Schneider ausübte. Ihre idealen Rheinlandschaften lassen an „Arkadien“  – das antike Sehnsuchtsland – denken, von deren atmosphärischer Stimmung sich auch Goethe beeindruckt zeigte: „Die Gemälde des Landschaftsmalers Caspar Schneider vergnügen mit Recht die Liebhaber“. Eine wichtige Bildgattung des 19. Jahrhunderts ist das Porträt, in dem sich das seit der Französischen Revolution wachsende bürgerliche Selbstbewusstsein widerspiegelt. So drückt Philipp Veits jugendliches Selbstbildnis im „altdeutschen Rock“ das neu erwachte Interesse an der Malerei der Dürerzeit aus. Der führende Bildnismaler zwischen Biedermeier und Gründerzeit war Benjamin Orth, von dem das Landesmuseum eine beachtliche Reihe von Porträts besitzt. Sein Zeitgenosse, der Historienmaler Ludwig Lindenschmit d. Ä., drückt in seinem Familienbild den neuen Anspruch der bürgerlichen Familie und des wohl situierten Künstlers aus. Zu den bei bürgerlichen Sammlern beliebten Bildthemen gehört die Genremalerei, die sich mit Szenen des Alltags auseinandersetzt. Diese Gruppe schließt den Rundgang durch die Abteilung „Goethezeit und Biedermeier“ ab.