Schätze aus dem Frühen Mittelalter

Elfenbeinmadonna, um 1000
Inv. Nr. 0/1517.

Um die Jahrtausendwende entstand die Elfenbeinmadonna, die aus der vollen Stärke eines Elefantenzahns geschnitzt wurde. Aufgrund der monumentalen Wirkung der fast vollplastisch gearbeiteten Figur wird sie stilistisch mit der Großplastik ottonischer und frühsalischer Zeit verglichen. Der ursprüngliche Zusammenhang, in dem die Elfenbeinmadonna stand, ist nicht bekannt. Es kann nur vermutet werden, dass sie vielleicht den Buchdeckel einer liturgischen Handschrift schmückte oder, was wahrscheinlicher ist, das Antependium (Frontverkleidung) eines Altares.
Große Adlerfibel, um 980-1000
Inv. Nr. 0/1518.

Diese prachtvolle große Adlerfibel stammt aus einem Schatzfund, der 1880 in Mainz bei Kanalbauarbeiten gefunden wurde und insgesamt aus 27 Einzelstücken besteht. Der größte Teil des Schatzfundes kam auf Umwegen in den Besitz des deutschen Kaisers Wilhelm II., der ihn 1912 dem Kunstgewerbemuseum Berlin schenkte. Sowohl die wertvollen Materialien Gold und Edelsteine als auch die verwendeten Formen und Motive lassen die Bestimmung der Schmuckstücke für offizielle Anlässe der Kaiserin erkennen. Stilistisch sind die Funde gut mit der Reichskrone vergleichbar und können somit in die ottonische Zeit um 980-1000 datiert werden.
Thronfragment, 2. Hälfte des 8. Jh.
Inv. Nr. 10.6.1911.

Dieses Fragment wird allgemein als Seitenlehne eines Steinthrones angesprochen. Drei Kanten sind mit unterschiedlichen Rankendekoren verziert, während die Außenseite durch eine parallel zum Rand verlaufende Profilleiste gekennzeichnet ist. Aufgrund der Dekoration wird dieses Thronfragment in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts datiert. Gefunden wurde es 1911 in der Mainzer Innenstadt, in der Nähe des 1880 entdeckten Kaiserinnenschmucks sowie einem weiteren Schatzfund von 1904.
Funde aus dem Grab von Ingelheim, 7. Jh.
Inv. Nr. 33/5

In den Jahren 1978–1979 wurde in Ingelheim ein fränkisches Gräberfeld ausgegraben, das größtenteils stark gestört war. Auffallend war das Grab 41a, das aufgrund der Beigabenausstattung als reiches Frauengrab des 7. Jahrhunderts charakterisiert werden kann. Neben Schmuck- und Trachtbestandteilen sowie alltäglichem Gerät ist eine Fibel (Gewandschließe) mit Kette und Amulettkapsel (so genannte „Bulla“) besonders herausragend. Die Amulettkapsel war sicherlich mit heilkräftigen Kräutern oder Unheil abwehrenden Amuletten gefüllt.
Helm aus dem Fürstengrab von Planig
Inv. Nr. 39/9.

Am Ortsausgang von Bad Kreuznach-Planig wurde 1939 ein Männergrab gefunden, das sich durch die Vielzahl der überaus reichen Beigaben als „Fürstengrab“ auszeichnet. Auffallend unter den Beigaben ist neben Gegenständen des täglichen Gebrauchs insbesondere die reiche Waffenausstattung des Verstorbenen mit Schild, Lanze, Streitaxt, Wurfspeer und mehreren Pfeilen sowie einem kostbar verzierten Schwert und einem Spangenhelm. Abgesehen von seiner Schutzfunktion war diese Art von Helm vor allem ein Würdezeichen und dokumentierte den hohen Rang des Trägers.
Buckelfibel
Inv. Nr. A 1983/25.

Zahlreiche Kleinfunde und Fibeln (Gewandschließen) aus Bronze, Blei und Zinn aus dem Stadtgebiet zwischen dem früheren Spital Heilig Geist und der Löhrstraße zeugen von einem Handwerkerviertel in unmittelbarer Rheinnähe. Auf der Rheinseite befanden sich jeweils die Bootsanlegestellen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Verkaufsräume. Die Kleinfunde sind in den Zeitraum zwischen 800 und 1000 einzuordnen und stellen – im Gegensatz zu den Auftragsarbeiten von Edelmetallfibeln in merowingischer Zeit – einfache Alltagsschmuckstücke dar, die in hoher Anzahl leicht gefertigt werden konnten.
Funde aus dem Grab von Alzey
Inv. Nr. N 1401, N 1402.

1869 wurden vom Altertumsmuseum Funde aus Alzey angekauft: ein vergoldetes silbernes Bügelfibelpaar, eine silberne Nadel, Ohrringe, zwei kleine Scheibenfibeln mit Almandineinlagen und Anhänger, die jeweils reich mit goldenem Filigrandraht verziert sind. Die Bügelfibeln wurden ausschließlich paarig getragen. Zusammen mit zwei Kleinfibeln, wie hier beispielsweise die kleinen Scheibenfibeln, bilden sie die so genannte Vierfibeltracht, die charakteristisch für die Frauenmode des 6. Jahrhunderts ist.
Kerbschnittschnalle, 5. Jh.
Inv. Nr. N 830.

Kerbschnittgürtelschnalle aus Mainz, Albansberg, die in den Zeitraum um 400 einzuordnen ist. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts lässt sich eine Veränderung der spätrömischen Militärgürtel beobachten. Die bislang schmalen Gürtel mit einfacher bronzener Schließe werden zunehmend breiter und sind mit Metallplatten beschlagen. Die Metallplatten und die Gürtelschnalle sind durch ihre Namen gebende Dekoration mit keil- oder kerbschnittartig vertieften Ornamenten (Spiral-, Spitzoval und Kreismuster) sowie den Tierkopfenden an den Bügeln und Dornen gekennzeichnet.