Funde aus dem Grab von Ingelheim
Funde aus dem Grab von Ingelheim
Helm aus dem Fürstengrab von Planig
Helm aus dem Fürstengrab von Planig
Große Adlerfibel
Große Adlerfibel
Elfenbeinmadonna
Elfenbeinmadonna

Frühes Mittelalter

"Die Römer sind weg - die Franken kommen"

Die frühmittelalterliche Abteilung umfasst mit ihren umfangreichen und bedeutenden Sammlungen den historisch ereignisreichen und kulturgeschichtlich bedeutsamen Zeitraum zwischen dem Ende des römischen Imperiums und der ottonischen Epoche, der Zeit vom 5. bis zum 10. Jahrhundert n. Chr. Den Schwerpunkt bilden hierbei vor allem die Hinterlassenschaften des fränkischen Reiches mit reichen Funden aus dem 6. und 7. Jahrhundert.

Die frühesten Funde im 5. Jahrhundert stehen noch in spätantiker Tradition, wie die Gürtelschnallen mit so genanntem Kerbschnittdekor. Doch zeigen bereits einige Gräber neue Einflüsse aus dem fränkischen, vereinzelt aber auch aus anderen Bereichen. So konnte im Mainzer Münchfeld das Grab einer Frau geborgen werden, dem ein Kamm und eine kleine Silbermünze des Gotenkönigs Athalarich (526–534) beigegeben worden waren. Der Schädel der Verstorbenen weist typische künstliche Deformationen der Schädeldecke auf, wie sie ansonsten überwiegend aus den reiternomadischen und verschiedenen germanischen Bereichen bekannt sind. Aufgrund dieser besonderen Modeerscheinung und der Münze kann vermutet werden, dass es sich bei der hier Bestatteten um eine Ostgotin oder Thüringerin gehandelt haben dürfte.

Nahezu alle ländlichen Siedlungen, die heute in Rheinhessen bestehen, sind bereits in fränkischer Zeit gegründet worden, wie die Existenz von mindestens einem Gräberfeld in entsprechender Ortslage belegt. Sie wurden bereits teilweise im 19. Jahrhundert ausgegraben, wie u. a. auch der Friedhof von Selzen in den Jahren 1845/46. Bereits 1848 konnten die Ausgräber Ludwig und Wilhelm Lindenschmit die Ergebnisse in der Publikation „Das germanische Todtenlager bei Selzen“ präsentieren, womit erstmals ein fränkisches Gräberfeld vorgestellt wurde, das grundlegend für die Typologie und Chronologie dieser Zeitstellung war. Die Funde aus Selzen, wie beispielsweise ein gläserner Rüsselbecher, bilden bis heute einen wichtigen Bestandteil der Mainzer Sammlung. Dazu gesellen sich zahlreiche weitere Funde des 6. und 7. Jahrhunderts aus Mainz und Rheinhessen. Hierunter sind auch besonders reiche und sogar fürstlich ausgestattete Gräber keine Seltenheit, wie beispielsweise ein Frauengrab aus Alzey oder eine kleine goldene almandinverzierte Schnalle aus Wolfsheim. Herausragend unter allen diesen Gräbern ist aber das Fürstengrab von Planig mit einem vergoldeten Spangenhelm, almandinverziertem Schwert und weiteren kostbaren Beigaben.

Aus der karolingischen und ottonischen Zeit sind einige kostbar verzierte Schwerter hervorzuheben. Daneben ist die frühmittelalterliche Abteilung auch durch viele Fibeln aus Blei und Zinn aus dem Stadtgebiet Mainz (Löhrstraße) bereichert, die in den Zeitraum zwischen 800 und 1000 einzuordnen sind. Sie stellen einfache Alltagsschmuckstücke dar, die in hoher Anzahl leicht gefertigt werden konnten. Für den Fernhandel wenig ertragreich, sind sie vor allem auf Vorrat für den direkten Ladenverkauf hergestellt worden. Dieses Fibelspektrum, das innerhalb der mittel- und nordeuropäischen Siedlungsplätze kaum Vergleichbares findet, ist eng auf dieses Stadtgebiet begrenzt und zeugt von einem Handwerkerviertel außerhalb der Stadtmauer in unmittelbarer Rheinnähe.