Schätze aus der Graphischen Sammlung

Adolph von Menzel (1815 – 1905), Das Chorgestühl des Mainzer Domes, 1869
Inv. Nr. GS 1959/18

Im Sommer 1869 unternahm Adolph von Menzel eine Reise nach München, während der er auch Mainz besuchte. Der Zusammenklang von mittelalterlicher Architektur, Chorgestühl und Lichtverhältnissen im Westchor des Domes motivierte ihn zu einer Ölskizze und zwei Gouachen (Deckfarbenmalereien). In unserer Gouache wählte er einen Ausschnitt des kunstvollen Rokoko-Chorgestühls, von dem nur ein kleiner Teil der Rückwand zu sehen ist. Licht und Schatten, Farbe und Ton, Ruhe und Bewegtheit sind in dieser bildhaften Studie harmonisch vereint.
Johann Georg Wille (1715 – 1808) , Befestigtes Gebäude mit Wassergraben, 1777
Inv. Nr. GS 0/195

Johann Georg Wille machte in Paris Karriere und wurde dort Lehrer zahlreicher deutscher Zeichner und Kupferstecher der jüngeren Generation. Auf Exkursionen vermittelte er ihnen das Studium in und nach der Natur, was damals keineswegs selbstverständlich war. Seine Zeichnung in rotbrauner Kreide zeigt einen möglicherweise in der Picardie oder bei Orléans gelegenen Bauernhof. Sie könnte während einer dieser Reisen mit seinen Schülern entstanden sein.
Carl Philipp Fohr (1795 – 1818) , Das Heidelberger Schloss von Südwesten, , 1812/13
Inv. Nr. GS 0/559

Fohr entwickelte sich in der kurzen, ihm beschiedenen Schaffenszeit aus konventionellen, noch dem späten 18. Jahrhundert verbundenen Anfängen zu einem der besten Zeichner der deutschen Romantik. Das Schloss seiner Geburtsstadt Heidelberg hielt er in mehreren Zeichnungen und Aquarellen fest. In unserem Aquarell wählte er den Blick von Südwesten unter Einbeziehung des vormittäglichen Lichtes, das Natur und Architektur in hellen Tönen aufleuchten lässt. Der Aufbau des bildhaften Aquarells in Schichten und das als Repoussoir dienende Felsenstück mit Baum am rechten Bildrand lassen noch Fohrs Herkunft aus der Landschaftsmalerei des späten 18. Jahrhunderts erkennen.
Ferdinand Bol (1616 – 1680)?, Sitzender Gelehrter
Inv. Nr. GS 0/770

Die Feder- und Pinselzeichnung wurde früher Rembrandt und bis vor kurzem dem Rembrandt-Schüler Ferdinand Bol zugeschrieben. Neuerdings hat Holm Bevers (Berlin) Govaert Flinck zur Diskussion gestellt. Die Zeichnung offenbart einerseits eine deutliche stilistische und thematische Nähe zu Rembrandts Zeichnungen der vierziger Jahre, andererseits lässt sie dessen Knappheit und Ökonomie in der Zeichentechnik vermissen.
Nikolaus Glockendon (gest. 1534), Blatt aus dem Missale Hallense des Kardinals Albrecht von Brandenburg, 1524
Inv. Nr. GS 1919/75

Kardinal Albrecht von Brandenburg gehörte zu den großen Auftraggebern seiner Zeit. Die von ihm veranlassten liturgischen Handschriften ließ er reich illustrieren. Das umfangreichste Miniaturenwerk, das für ihn entstand, ist das Missale Hallense, das Nikolaus Glockendon 1524 fertig stellte. Aus dieser Handschrift besitzt die Graphische Sammlung vier vollständige Seiten und mehrere herausgeschnittene Initialen. Die hier abgebildete Seite weist außer reichem floralen Rankenwerk mit Vögeln und einem Schmetterling eine O-Initiale mit dem Kardinal als hl. Ambrosius im Bischofsornat auf.
Edgar Degas (1834 – 1917), Frau im Bade
Inv. Nr. GS 1950/3

In zahlreichen Gemälden und Graphiken, vor allem Pastellen, bearbeitete Edgar Degas das Thema der Frau im Bade oder bei der Toilette. Er löste sich von allen gefälligen Konventionen und ließ seine Modelle so unbefangen agieren, als würden sie „durch ein Schlüsselloch“ (Degas) beobachtet. Aus den dunklen Konturen wölben sich die Körper ans Licht. Unser, von Weißgrau-, Grau- und Brauntönen getragenes Pastell dürfte seinen späten Schaffensjahren, etwa der Zeit um 1900, angehören, als Degas die Konturen nachdrücklich betonte.
Paul Klee (1879 – 1940), Hilf! Schlange ist da/ kann nicht!, 1932
Inv. Nr. GS 1993/121

Die Federzeichnung gehört jenem kurzen Zeitabschnitt an, in dem Klee von 1931 bis zu seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten 1933 an der Düsseldorfer Akademie tätig war. Mit seinen dort entstandenen „psychischen Improvisationen“ (Klee) fand er zu einer spontaneren, freieren Strichführung als zuvor am Dessauer Bauhaus. In der Skurrilität der beiden Figuren und ihrem Dialog sind Surreales, Albtraumhaftes und Erotisches vereint, die sich aber einer eindeutigen Festlegung entziehen.
Joseph Mallord William Turner (1775 – 1851), Mainz von Süden, 1817
Inv. Nr. GS 1994/62

Im August 1817 unternahm William Turner seine erste Rheinreise, die ihn von Köln bis Mainz führte. Wahrscheinlich entstand dieses Aquarell, wie die übrigen auch, erst nach seiner Rückkehr in England unter Benutzung an Ort und Stelle angefertigter Skizzen. Im Wesentlichen hielt Turner das Stadtbild exakt fest, doch steigerte er die Höhenerstreckung der bildbestimmenden Bauten. Dadurch und durch eine das Papierweiß einbeziehende Auflichtung wurde das Aquarell eines der hellsten der Rheinserie und gewann visionären Charakter.
Max Slevogt (1868 – 1932), Landschaft bei Godramstein – Kalkgrube, 1913
Inv. Nr. GS 1989/63

Slevogts erste Landschaftsaquarelle entstanden 1906 im Riesengebirge (Schreiberhau) und 1908 in Holland und München. Unser Aquarell gehört der zu Ende gehenden Godramsteiner Periode an, als er noch einmal auffallend oft aquarellierte. Ein mildes Licht verteilt sich unter einem grauen Himmel gleichmäßig über die Natur und lässt die Grube in beigen und orangefarbenen Tönen aufleuchten. 1913 malte Slevogt auch ein Ölbild der Godramsteiner Kalkgrube in der Pfalz.