Mode und Max Slevogt in Frankfurt

Historisches Museum Frankfurt, 5. Mai bis 24. Januar 2021

 „Bal Paré“ (1904) ist vermutlich eines der bekanntesten Gemälde aus unserem umfangreichen Max Slevogt Bestand. Selbstbewusst malte er sich hier mit seiner Frau Nini in äußerst festlicher Garderobe auf dem Weg zu einem Kostümball. Diese hält in ihrer Rechten eine schwarze Maske. Hinter der aufwendigen Toilette seiner Frau, die ein mit Schleppe und Rüschenvolants drapiertes Kleid in Gold und Silber trägt, schaut der Maler halb verdeckt, fast schüchtern hervor.

Nicht nur das ungewöhnliche, lebensgroße und schmale Bildformat, sondern auch das angeschnittene Motiv und die Flächenaufteilung, verweisen auf die Ideen der französischen Impressionisten und auf japanische Holzschnitte, die damals in künstlerischer Hinsicht entdeckt wurden. Für Max Slevogt ist das großformatige Gemälde der Auftakt für seine so erfolgreiche Berliner Zeit. Es zeigt seine Ankunft in der für ihn noch neuen Berliner High Society.

In der Ausstellung „Kleider in Bewegung“, die aufgrund der Corona Krise erst einige Wochen später öffnen konnte,  ist das Gemälde nun in einem ganz anderen Kontext präsentiert:Umringt von über 50 Vollbekleidungen und zahlreichen Einzelkleidungsstücken, zeigt die Ausstellung den Wandel  der Bekleidung.  Vom bürgerlichen Gesellschaftskleid über das Korsett bis zum Reform- und Arbeitskleid, Badeanzug, erster Hose und Abendmode.

Die Ausstellung führt in einer anspruchsvollen Szenografie regionale und internationale Mode-, Kunst- und Bewegungsgeschichte vor Augen, stellt Bezüge zu aktuellen Diskussionen und Medien her und stellt Fragen nach heutiger Bewegungsfreiheit und -begrenzung durch Kleidung. Zu bestaunen sind rund 200 Exponate – konzentriert auf Objekte der museumseigenen Textil- und Modesammlung, ergänzt durch erlesene, internationale Leihgaben (Textilien, Gemälde, Grafiken und Fotografien).

Die Ausstellung geht auf ein von der Volkswagen-Stiftung seit August 2015 gefördertes, textilwissenschaftliches Kooperationsprojekt zwischen der Universität Paderborn und dem Historischen Museum Frankfurt zurück. Wir freuen uns, dass wir dieses interessante Ausstellungsprojekt mit unserer Leihgabe unterstützen können.