Highlights

Stute und Fohlen

Emy Roeder, Stute und Fohlen, 1919, Bronze, 28 cm
© Sammlung Karl H. Knauf, Berlin, Foto: Günter Ladwig

Ihr Leben lang und bis ins hohe Alter beschäftigte Emy Roeder sich mit der Darstellung von Tieren. Dabei stellte sie in ihren Plastiken selten ein einzelnes  Tier dar; meist sind es zwei oder drei, die sie in ihrem Zu- und Nebeneinander zeigt. So auch in dieser Gruppe von einer Stute mit ihrem Fohlen.

Die in ihrer Berliner Zeit entstanden Plastiken zeigen eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit den expressionistischen und kubistischen Strömungen der Avant­garde: ihre Figuren sind aus Flächen aufgebaut, die von schnittigen Kanten begrenzt werden. Roeder arbeitet an Darstellungen von Tieren, die das Ideal eines ruhigen, harmonischen Seins ausstrahlen.

Badende

Emy Roeder, Badende, 1937, Bronze, 41 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

Emy Roeder war zeit ihres Lebens eine begeisterte Reisende. Neben Italien war sie mehrfach in Paris. Dorthin kehrte sie in den Jahren 1930 und 1933/34 für längere Aufenthalte zurück und intensivierte hier besonders ihre Beschäftigung mit dem weiblichen Akt. Paris bot dafür vielfältige Möglichkeiten: Man konnte an privaten Malschulen und in offenen abendlichen Aktkursen, den so genannten „Abendakten“, nach Modell zeichnen. Roeder hielt die weiblichen Modelle in unterschiedlichsten Posen, sitzend, stehend, in einigen Fällen auch liegend, fest. 

Stehendes Mädchen mit Tuch

Emy Roeder, Stehendes Mädchen mit Tuch, 1937, Schwarze Kreide, 41,7 × 29,5 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

Noch in Paris, wo sie auch ein Atelier zur Verfügung gehabt haben muss, entstanden einige kleine Aktstatuetten in Bronze. Der Vergleich dieser Kleinskulpturen mit Roeders Zeichnungen zeigt besonders für diese Gattung einen engen Zusammenhang zwischen Zeichnung und Plastik.

Emy Roeder selbst beschrieb, wie sie mit ihren Zeichnungen arbeitete: „Ich gehe dann immer nur von einer Zeichnung, von einer Ansicht aus, hefte mir diese auf ein Brett und baue in Ton die Figur oder Gruppe auf, deren Umrisse sehr sorgfältig von der Zeichnung in die Plastik übertragen werden […] Ist dieser eine Umriß, von dem ich ausgehe, klar als plastische Vorstellung in mir geordnet, so ergeben sich logisch alle anderen Ansichten."

Sitzender Knabe mit Lamm im Schoß

Emy Roeder, Sitzender Knabe mit Lamm im Schoß, 1946, Schwarze Kreide, 17,5 × 20,8 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

Diese anatomisch nicht ganz korrekte Zeichnung gehört gleichwohl zu den berührendsten in Emy Roeders Werk. Selbstvergessen hockt der nackte Knabe am Boden; seine ganze Aufmerksamkeit ist dem Lamm zugewandt, das sich vertrauensvoll und mit wohligem Ausdruck in seine Arme schmiegt. Das Blatt entstand im Sommer 1946 in Castel San Pietro, einem Bergdorf in der Nähe Roms. Hier verarbeitete die Künstlerin das Trauma der in Florenz verlebten Kriegsjahre und der Internierung in Padula bei Salerno. 

Liegende Ziege und Böckchen

Emy Roeder, Liegende Ziege und Böckchen, 1948, Schwarze Kreide, 17,1 × 22,3 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

Roeders besondere Liebe galt den Ziegen, und die „Campanischen Bergziegen“ gehören zu ihren bekanntesten Plastiken. Zwei Ziegen liegen hier eng aneinander geschmiegt. Während die eine den Kopf auf den Rücken der anderen lehnt, wendet sich diese um und umschlingt ihre Artgenossin mit Hals und Kopf. Diese Zeichnung bereitete die Bronzeskulptur der „Campanischen Bergziegen“ vor.

Campanische Bergziegen

Emy Roeder, Campanische Bergziegen, 1948, Bronze, 15 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

Auffällig gegenüber früheren Skulpturen der Künstlerin sind die harten Grate und die intensive grafische Oberflächenbehandlung: Barthaare und Augen und sogar die Gliedmaßen der Ziegen werden weniger plastisch ausgearbeitet, als in das Material eingeritzt. Die ausgeprägte Stilisierung entspricht der immer stärkeren Abstrahierung von Roeders Figuren seit Ende der 1940er Jahre. Stilistisch leitet Emy Roeder mit dieser Plastik ihr Spätwerk ein.

Ruhendes Ziegenpaar

Emy Roeder, Ruhendes Ziegenpaar, 1958, Bronze, 18 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

In den 1950er Jahren experimentierte sie vor allem in den gezeichneten Mädchenbildnissen und Akten mit gerundeten Formen; folgend führte das Streben nach Abstrahierung zu einem strengen, von schlanken, gestreckten Formen dominierten, fast asketischen Altersstil. Unbeirrt blieb sie auch, als die Debatte um die Abstraktion die deutsche Kunstlandschaft beherrschte, der gegenständlichen Bindung treu. Dennoch suchte sie durch Stilisierung dem Ideal nahezukommen, das auch die Abstrakten umtrieb: dem ungreifbaren »Wesen« von Mensch und Tier, ja dem Leben schlechthin, auf die Spur zu kommen.

Stehende Tripolitanerin (Tripoli IV)

Emy Roeder, Stehende Tripolitanerin (Tripoli IV), 1967, Bronze, 205 cm
© Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle

Eines der Hauptmotive während ihrer afrikanischen Reisen waren gehende, stehende und sitzende Frauen, die sich in ihre Gewänder hüllen. Diese schlanke Stehende hat ihren Körper eng in ihren Umhang gewickelt; sogar die linke, Richtung Kinn geführte Hand ist von dem Tuch verborgen, mit dem sie sich vor dem aufwirbelnden Straßenstaub schützt. Nur die langen, schlanken Füße bleiben unbedeckt. Die Gesichtsformen passen sich dem engen dreieckigen Tuchausschnitt an: Der kleine Mund passt genau in die Dreieckspitze, die gelängte Nase betont seine Mittelachse und die übergroßen, durch ihre Wendung nach rechts beunruhigt wirkenden Augen nehmen seine gesamte Breite ein. Insgesamt wirkt das Antlitz stark verfremdet und zeigt den Einfluss der prähistorischen Kunst auf den Altersstil Emy Roeders. Ein Abguss der Tripolitanerin steht auch am Mainzer Rheinufer