Caspar Dietrich von Fürstenberg, Mainzer Dompropst, Der Raucher mit der Kerze, um 1660
GDKE RLP, Landesmuseum Mainz

Johann Caspar Dillenius nach Ferdinand Kobell, Rastende Wanderer © GDKE RLP, Landesmuseum Mainz 

Franz Graf von Kesselstatt, "der letzte Domherr aus alter Zeit" (Goethe), Das alte Kaufhaus auf dem sogenannten Brand zu Maynz, 1812, GDKE RLP, Landesmuseum Mainz

Der Strich der Liebhaber

Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung

Wenn ein Museum für Besucher geschlossen ist heißt das nicht, dass dort nichts geschieht. Das Landesmuseum Mainz konnte die Wochen des „Lock Down“ u.a. nutzen, um in der Stille der Depots und Magazine seine Bestände zu sichten.

Das Museum verfügt über einen bemerkenswerten Bestand an Arbeiten von sog. Dilettanten des 18. und frühen 19. Jh.s. Viele davon sind hier bzw. in den benachbarten Kunstzentren ihrer Zeit entstanden.
Die meisten dieser Werke waren nie für den Kunsthandel gedacht, sie waren Freundesgaben – und dies ist einer der Unterschiede zu den Arbeiten professioneller Künstler. Da sie nicht systematisch in die international bedeutenden Museen eingingen sind sie oft der Forschung unbekannt und Informationen über ihre Schöpfer bisweilen schwer zu erhalten.

Aber legt ein Museum sonst nicht wert auf strenge Qualitätskriterien bei der Auswahl dessen, was dem Publikum gezeigt wird? Ja, aber die Liebhaberkünstler der Goethe-Zeit haben oft ein erstaunliches Niveau erreicht. Und zum anderen spiegelt das europäische Phänomen des „Dilettantismus“ einen gesellschaftlichen Wandel wider: Der Unterscheid zwischen akademisch ausgebildeten Berufskünstlern zu den Amateuren wurde noch deutlicher, aber die Hobby-Künstler forderten gewissermaßen ein, dass z.B. Kunstunterricht an allgemeinbildenden Schulen zu erteilen sei. Und auch der moderne Kunstbetrieb mit öffentlichen Ausstellungen aktueller Kunst wurde maßgeblich von deren „Liebhabern“ begründet und gefördert.

Der erste Teil des Schwerpunktthemas Der Strich der Liebhaber – Dilettantinnen und Dilettanten aus drei Jahrhunderten gibt einen Überblick mit Werken, die meist in unserer Region entstanden sind.
Neben Mainzer Domherren und Damen der Frankfurter Gesellschaft ist z.B. auch Johann Wolfgang Goethe mit einer Radierung vertreten, die gerade vom Verein der Freunde des Landesmuseums erworben werden konnte. Da die meisten Liebhaberkünstler gerne nach Vorlagen arbeiteten werden zudem zum Vergleich Werke von damals bewunderten Berufskünstlern ausgestellt.

Im Herbst wird es dann um Geistliche, Juristen und Privatiers gehen, die das Mainzer Stadtbild um 1800 im Bild festgehalten haben. Im Dezember schließlich wird das Ehepaar Braun im Mittelpunkt stehen: Sie Erzieherin, er Studienrat – und beide zusammen ein „romantisches Paar“ der Biedermeierzeit, die das kulturelle unserer Stadt maßgeblich geprägt haben.