Emil Orlik: Josef Grünberg und Max Slevogt beim Arbeiten, 1922, Bleistift © GDKE/Landesmuseum Mainz
Max Slevogt: Brief aus Neukastel an Josef Grünberg mit Randzeichnung, 1923 © GDKE/Landesmuseum Mainz
Max Slevogt: Ex Libris für Josef Grünberg, ohne Datierung, Radierung © GDKE/Landesmuseum Mainz

Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente

Frühjahr 2021 bis Herbst 2021

Ausgangspunkt der Sonderausstellung sind rund 40 Briefe und Postkarten von Max Slevogt an seinen engen Freund, Dr. Josef Grünberg. Dieses Konvolut wurde vor über 25 Jahren von dem Land Rheinland-Pfalz für das LMMz erworben. Für die Ausstellung werden diese Briefe und Postkarten, die fast durchgehend mit aufwendigen humorvollen Randzeichnungen von Slevogt versehen sind, erstmals transkribiert, wissenschaftlich bearbeitet und in einer kommentierten Briefedition im begleitenden Ausstellungskatalog veröffentlicht. Durch die Antwortschreiben von Josef Grünberg, die sich im schriftlichen Nachlass von Slevogt im Landesbibliothekszentrum Speyer erhalten haben, kann der Briefwechsel hervorragend rekonstruiert werden.

Die Korrespondenz beginnt mit dem ersten Brief, der im Ausstellungsjahr vor 100 Jahren, also 1921 verfasst wurde und endet 1931. Neben vielen privaten und politischen Ereignissen stehen in dem Austausch vor allem die druckgrafischen Experimente der beiden im Vordergrund. Gemeinsam mit den Künstlern Emil Orlik und Bernhard Pankok hatten sie sich unter den Abkürzungen ihrer Anfangsbuchstaben als Künstlergruppe „SPOG“ zusammengeschlossen. Im Zentrum der Ausstellung stehen die heute noch erhaltenen und einzigartigen Druckplatten (Glasklischees, Zinkplatten, Radierplatten etc.) sowie die umfassenden Ergebnisse dieser Experimente auf verschiedenen Papieren (Japan, China, Alt-Bütten), Seide bis hin zu Leder. Die Exponate stammen überwiegend aus dem grafischen Nachlass Slevogts, der 2014 vom Land Rheinland-Pfalz für die GDKE/LMMz erworben wurde. Zudem besitzt die Graphische Sammlung des LMMz auch die Grafiksammlung von Grünberg  (ca. 470 Blatt) – mit zahlreichen persönlichen Widmungen von Slevogt, die die enge Freundschaft der beiden einzigartig dokumentiert. 

Die Ausstellung arbeitet erstmals diese höchst produktive Zusammenarbeit auf, veröffentlicht die Korrespondenz und rekonstruiert die Experimente ihrer sog. „Hexenküche“, in der mit teils sehr giftigen Substanzen wie Flusssäure hantiert wurde. Als Grundlage zur Entschlüsselung der für die Drucke genutzten Techniken dient das damals von Grünberg für den Bruno Cassirer Verlag geplante Buch, das sich als Skript in der Sammlung Grünberg erhalten hat. „SPOG“ ist in der bisherigen Forschungsliteratur ein absolutes Desiderat geblieben. Die Aufarbeitung dieser Forschungslücke ist nur anhand der einzigartigen Bestände der GDKE/LMMz möglich. Die Ausstellung präsentiert eine weitere grundlegende wissenschaftliche Bearbeitung des Oeuvres Slevogts durch das am LMMz angesiedelte Max Slevogt-Forschungszentrum.