Höhepunkte der Sonderausstellung

Die nackte Wirklichkeit

Slevogt ist als junger Mann selbst oft in den Ring gestiegen, dies mag ihn zu diesem Motiv inspiriert haben. Gleichzeitig skizzierte er Berufsringer, die auf den Münchner Jahrmärkten zur Gaudi des Publikums auftraten. 1893 ist die naturalistische Darstellung fast nackter Sportler ein Wagnis. Eine Ausstellungsjury wollte das Bild als „unsittlich“ ablehnen. Das kontroverse Echo von Presse und Publikum begründete Slevogts Ruf, seine Kunst sei „brutal“, erst Jahre später nahm ihn die Öffentlichkeit als impressionistischen Maler und feinsinnigen Zeichner wahr.

Lederstrumpf und seine Kinder

Noch als erwachsener Mann spielte Slevogt gern „Indianer“. Es liegt nahe, dass er auch seinen Kindern dieses Vergnügen gönnte. Mit furiosem Pinselstrich charakterisiert er hier sein Töchterchen Nina, dass eine der Slevogt’schen Katzen in den Arm genommen hat. Max Slevogt kannte Karl May persönlich und als Illustrator des Lederstrumpf machte er ausführliche Studien in völkerkundlichen Museen.

In der Verkleidung seiner Kinder als Indianer spiegelt sich Slevogts eigene Begeisterung für die Welt der nordamerikanischen Eingeborenen. Die Geburt des Sohnes Wolfgang meldete er an seinen Kunsthändler und Freund Paul Cassirer: „Der Stamm der Delawaren ist um einen Krieger vermehrt! Die Squaw wohl und die ‚Malende Hand’ sehr froh. Hugh, Hugh, Hugh!“ Slevogt benutzt – vielleicht unbewusst – die traditionelle Rollenverteilung bei der Darstellung seiner beiden Kinder: das Mädchen zurückhaltend und mütterlich, der Sohn greift zu den Waffen.

Das Leben der Osterhasen

Ein ungewöhnliches Stilleben, nicht nur im Schaffen Slevogts. Ein Baumkuchen, Schokoladeneiner und äußerst lebendig wirkende Osterhasen geben sich ein bizarres Stelldichein und verbreiten zugleich die Atmosphäre von Wohlleben und Luxus. Ein silbernes Messer liegt zum Greifen nah. Mit seiner Kunst erhebt der Maler die banalen Dinge zu einem Fest des Lebens. Sein Humor und sprühender Witz haben hier einen künstlerischen Ausdruck gefunden, der auch den Wesenszügen des Menschen Slevogt entspricht.

Sieg der Moderne

Das Gemälde wurde erstmals in der Jahres-Ausstellung der Berliner Sezession 1901 gezeigt. Max Slevogt hatte kurz zuvor in Paris und in Berlin selbst Bilder von Renoir, Monet und anderen Franzosen sehen können, die ihn beeindruckten und inspirierten. Landschaft und Mensch bilden im „Sommermorgen“ eine Einheit. Der Blick ins Tal ist durch Kiefern verstellt, gemeinsam mit dem sommerlichen Bodenbewuchs charakterisieren sie die Landschaft der südlichen Pfalz. Die Wärme und Frische, die das Bild ausstrahlt, stehen im Einklang mit einer kühnen Komposition, die alle herkömmlichen Gestaltungsweisen hinter sich lässt. So modern malt in Deutschland im Jahr 1901 nur Slevogt. Die zeitgenössische Kritik hat das Gemälde mit Begeisterung aufgenommen.

Moderne Eleganz im japanischen Format

In festlicher Ruhe schreiten Max Slevogt und seine Frau einem gesellschaftlichen Ereignis entgegen. Fast herablassend wenden sich Professor Slevogt und Gemahlin dem Betrachter zu. Nini Slevogt ist die beherrschende Figur. Ihr mondäner Aufputz aus einem rüschenbesetzten Kleid mit Schleppe und breitem Hut lässt vergessen, dass sie aus einem Dorf in der Pfalz stammt, wenngleich aus betuchten Verhältnissen. Nahezu schüchtern lugt Slevogt selbst hinter seiner Frau hervor, als wolle er jemand begrüßen. Sein kritischer Blick gilt nicht nur uns, sondern auch sich selbst – ein Selbstbildnis ist immer auch eine prüfende Selbstbefragung. Dass die Köpfe der beiden den oberen Bildrand berühren, während unten eine große Fläche weitere Distanz zum Betrachter schafft ist natürlich Absicht: diese für europäische Begriffe eigentümliche Kompositionsweise japanischer Künstler begeisterte um 1900 viele Maler.