Highlights

Als kleinen Vorgeschmack und zur Vorbereitung zeigen wir Ihnen hier einige Highlights aus der Ausstellung. 

Der Reiter (Ritter, Tod und Teufel), Albrecht Dürer, 1513

Kupferstich, 24,4 cm x 18,9 cm
Bamberg, Staatsbibliothek
Inv. Nr. I D 32      
©Staatsbibliothek Bamberg (Foto: Gerald Raab)

Technisch brillant ausgeführte zeigt der Kupferstich einen altmodisch gerüsteten Ritter, der auf seinem prächtigen Pferd eine düstere Felsenschlucht entlang reitet. Den ihm begleitenden Tod, der warnend das Stundenglas emporhält und den fratzenhaften Teufel, beachtet er nicht und reitet unbeirrt weiter. Die Deutungen der Szene könnten vielfältiger nicht sein: Handelt es sich um ein Bild des von Erasmus von Rotterdam beschriebenen "Christlichen Ritters", der dank seines Glaubens Tod und Teufel mutig die Stirn bieten kann? Oder hat Dürer hier, wie man im 19. Jahrhundert annahm, Franz von Sickingen verewigt, der durch sein risikoreiches Handeln stets vom Tod bedroht war. Wie kein anderes Werk Dürers wurde "Ritter, Tod und Teufel" im 19. Jahrhundert zur nationalen Ikone erhoben.

 

 

Der Tod des Franz von Sickingen, Johann Caspar Bosshardt, 1854

Leinwand, 150 x 110 cm
Privatbesitz Schweiz
© GDKE Rheinland-Pfalz - Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)

Keine Begebenheit im Leben Franz von Sickingens erzielte nachträglich eine so große Bildwirkung wie sein Ableben. Der ritterliche Tod wird in den Darstellungen keineswegs als ein Scheitern verstanden, sondern als Ausdruck der Bereitschaft, sich für eine größere Sache - die Reformation oder die Siche- rung der Reichseinheit - zu opfern. Der "warliche Bericht" des Reichsherolds Caspar Sturm enthüllte bereits kurz nach dem Ereignis die Todesumstände: Die Sterbekammer in der Burg Nanstein wird als "finstern[es] loch" beschrieben, das die drei siegreichen Fürsten von Trier, Hessen und Pfalz aufsuchen. Der Schweizer Johann Caspar Bosshardt zeigt in dem Historienge- mälde den Ritter auf seinem Sterbelager, umgeben von zahl- reichen weiteren Personen. Äußerst heroisch blickt er stolz und mit aufrechtem Kopf zu den drei siegreichen Fürsten.

Bildnis Franz von Sickingen, um 1520, Hieronymus Hopfer

 

Eisenradierung, 232 x 166 mm
Landesmuseum Mainz, Graphische Sammlung, GS 1990/4
© Landesmuseum Mainz – GDKE Rheinland Pfalz (Foto: Ursula Rudischer)

Diese Eisenradierung von Hieronymus Hopfer, überliefert nicht nur das zeitgenössische Antlitz Sickingens, sondern prägt – auch aufgrund von zahlreichen Kopien und Nachstichen – bis heute unsere Vorstellung vom Aussehen des streitbaren Ritters. Dabei ist sie selbst bereits eine Inszenierung. Er präsentiert sich als gerüsteter Ritter, aber ohne Helm und ohne den in den späteren Bildnissen so charakteristischen Federhut. Auf einer Inschriftenkartusche ist der Leitspruch Sickingens angebracht: ALLEIN GOT DI ER. LIEB DEN GEMEINE NVCZ. BESCHIRM DI GERECHTIKEI(T). Die darunter befindlichen Initialen I und H beziehen sich auf den Schöpfer dieser Graphik, (H)Ieronymus Hopfer. 

Judith mit dem Haupt des Holofernes Lucas Cranach d. Ä., 1525

Öl auf Holz
Durchmesser 14,6 (Innenmaß)
Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF Inv. Nr. GR 1. 691
© Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF, GR 1.691 (Foto: Peter Schälchli, Zürich)

In zeitgenössischer Kleidung stellt Lucas Cranach d. Ä. die Figur der Judith aus den apokrpyhen Schriften des Alten Testaments dar. Sie hatte den assyrischen Feldherrn Holofernes mit seinem eigenen Schwert im Schlaf ermordet, um ihre Heimat zu retten. Als Personifikation der Tugend und Bescheidenheit wurde
Judith immer wieder politisch instrumentalisiert. Die junge Frau, von ihren Gegnern unterschätzt, geriet zum Sinnbild der Stärke gegen einen scheinbar übermächtigen Feind. Für Lucas Cranach - Freund Luthers und Anhänger seiner Ideen - steht sie möglicher- weise auch als Symbol für die reformatorische Bewegung.

Hans Sebald Beham, Belagerung der Burg Nanstein, 1523 ©Staatsbibliothek Bamberg (Foto: Gerald Raab)

Belagerung der Burg Nanstein Landstuhl

Hans Sebald Beham, 1523
Holzschnitt, koloriertes Exemplar in:
Bamberger Burgenbuch, Fol. 4 
Bamberg, Staatsbibliothek Bamberg
Signatur: RB.H.bell.f.1
©Staatsbibliothek Bamberg (Foto: Gerald Raab)

Franz von Sickingen hatte sich nach der gescheiterten Fehde gegen Trier vor den Heeren der Fürstenkoalition von Kurtrier, Kurpfalz und Landgrafschaft Hessen auf seine Burg Nanstein bei Landstuhl zurückgezogen, die dem gewaltigen Bombardement jedoch nicht lange standhielt. Am 6. Mai 1523 musste er nach schwerem Beschuss kapitulieren und erlag am folgenden Tag selbst seinen Verletzungen. Der Holzschnitt Hans Sebald Behams von 1523 verbreitete als Flugblatt das  sensationelle Ereignis und benennt mit einem Kommentar sogar genau die Stelle, an der das tödliche Geschoss eingeschlagen sein soll. Das Exemplar aus dem Bamberger Burgenbuch ist der einzige erhaltene Holzschnitt mit originaler Kolorierung.

Schmähbrief Franz von Sickingens gegen hessische Adelige, 1520

 

Papier, 32 x 44 cm
Marburg, Hessisches Staatsarchiv
Best. 3, Nr. 85, Bl. 38 f 3b.
© Hessisches Staatsarchiv Marburg

Die erste große Fehde führte Franz von Sickingen 1518 gegen die Landgrafschaft Hessen. Da nach dem Sieg Franz von Sickingens, nach seiner Meinung bestimmte Vertragsforderungen nicht erfüllt worden waren, rief er die hessischen Adligen zu Bürgschaftsleistungen auf. 29 landgrafentreue Adlige verweigerten dies und wurden daraufhin in diesem großformatigen Schmähbrief, den Sickingen u.a. in Mainz anschlagen ließ, öffentlich entehrt. Die drastische Darstellung zeigt sie kopfüber in ritterlichem Harnisch hängend und handschriftlich mit Namen versehen. Gedruckt wurden die sich in den Reihen wiederholenden Figuren mit acht einzelnen Druckstöcken.

Rektoratsblatt des Johannes Crotus Rubeanus (Johann Jäger) vom Wintersemester 1520/21

Matrikel der Universität Erfurt, Bd. 2
Handschrift auf Pergament, 30 x 22 cm
Erfurt, Stadtarchiv
© Stadtarchiv Erfurt, Inv. Nr. 1-1/10B 13-46, Bd. 2 1498-1599

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bildete die Universität Erfurt ein aktives Zentrum des Humanismus. Viele Unterstützer Luthers hatten dort studiert und sympathisierten mit seiner Ablass- und Kirchenkritik. Vor dem Wintersemester 1520/21 wurde der Humanist Johannes Crotus Rubeanus (Johann Jäger) zum Leiter der Universität gewählt, die unter seinem Rektorat Martin Luther auf der Durchreise nach Worms einen triumpha- len Empfang bereitete. Das aufwändig kolorierte Rektorats- blatt veranschaulicht das Zusammenspiel von Reformation und Humanismus in Gestalt einer Wappenrunde. Um das Wappen des Crotus Rubeanus sind 16 prominente Humanisten und Anhänger Luthers abgebildet, darunter an den vier Ecken die Wappen von Martin Luther, Erasmus von Rotterdam, Mutianus Rufus und Johannes Reuchlin.

Harnisch Landgraf Philipps von Hessen (1504–67)

Kassel oder Frankfurt, 1534, Eisen getrieben und geätzt, Wien, Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer, A 348
© Kunsthistorisches Museum Wien

Der Landgraf Philipp von Hessen war der große Widersacher Franz von Sickingens. In der ersten Fehde gegen die Landgrafschaft Hessen konnte Sickingen den damals noch Minderjährigen besiegen, in der letzten Fehde 1522/23 musste der Pfälzer Ritter dagegen seine große Niederlagen gegen ihn verbuchen. Rüstungen dienten nicht nur der bewaffneten Auseinandersetzung und dem Turnier, sondern auch der fürstlichen Repräsentation. Dieser prächtige Harnisch Landgraf Philipps von Hessen aus dem Jahr 1534 mit Verzierungen in Form von geätzten Bändern erfüllte offensichtlich beide Zwecke, denn an Kamm und oberer Visierkante des Helmes sind deutliche Hiebspuren zu erkennen.

Sickingen-Becher, Speyer, 1519

Silber teilvergoldet, Höhe 26,4 cm
Museumslandschaft Hessen Kassel 
Inv.-Nr. B II.18
©Museumslandschaft Hessen-Kassel, Sammlung Angewandte Kunst, (Foto: Arno Hensmanns)

Der aus einer Fußschale und sieben teilvergoldeten Silberbechern bestehende „Häufebecher“ zählt zu den wichtigsten persönlichen Hinterlassenschaften Franz von Sickingens. Die acht in beliebiger Folge stapelbaren Becher tragen Umschriften mit klugen Rat- und Sinnsprüchen. Die Stifterinschrift am Fußbecher weist aus, dass Sickingen das kostbare Gefäß auf dem Zenit seiner Macht hat anfertigen lassen: „Aus dem im Kriegsdienst Erbeuteten hat mich Franz von Sickingen machen lassen 1519“. Mit der Niederlage Sickingens in der Trierer Fehde 1522/23 gelangte der Stapelbecher in hessischen Besitz.

Martin Luther als Augustinermönch Lucas Cranach d. Ä., 1520

Kupferstich, 3. Zustand, 14,1 x 9,7 cm
Inschrift: "AETHERNA IPSE SVAE METNTIS SIMVLACHRA LVTHERVS / EXPRIMIT AT VVULTVS CERA LUCAE OCCID-VOS / MDXX"
Städel Museum, Graphische Sammlung, Inv. Nr. 65483 D
© Städel Museum - Artothek

Das erste Bildnis von Martin Luther entstand kurz vor dem Wormser Reichstag 1521. Der sächsische Hofmaler Lucas Cranach d.Ä. zeigt den 37-jährigen Theologieprofessor als ein- fachen Mönch in seiner Ordenstracht. Zu sehen ist ein hageres Gesicht mit tief verschatteten Augenpartien. Möglicherweise steht hinter dieser und anderen frühen Lutherdarstellungen eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit des kurfürstlich-sächsischen Hofes im Vorfeld von Luthers Reise nach Worms. Allerdings ist es nicht dieser erste Entwurf, der das damalige Erscheinungsbild Luthers prägen sollte. Es folgte ein zweiter Entwurf, der Luther mit weicheren Gesichtszügen und der Bibel in der Hand zeigt. Dieses zweite Lutherbild schien für die Ziele des Wormser Reichstages geeigneter und wurde in einer hohen Auflage verbreitet, während dieser erste Entwurf äußerst selten reproduziert wurde.