Eckhaus Neutorstraße 3
Eckhaus Neutorstraße 3, Foto: Dr. Georg-Peter Karn, GDKE
Hauszeichen und Inschrift
Hauszeichen und Inschrift, Foto: Dr. Georg-Peter Karn, GDKE
Treppenhaus mit Holzbalustern
Treppenhaus mit Holzbalustern, Foto: Dr. Georg-Peter Karn, GDKE

Zu den drei Mohren

Mainzer Bürgerhaus in der Neutorstraße

Nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hat sich von dem einst reichen Bestand an Mainzer Bürgerhäusern der Barockzeit mit ihren kostbaren Ausstattungen kaum noch etwas erhalten. Eine glückliche Ausnahme bildet das Eckhaus Neutorstraße 3, das einst den südlichen Stadteingang am Fuß des Jakobsberges beherrschte. Unter dem Namen „Zu den drei Mohren“ zählte es lange Zeit zu den gut besuchten Gasthäusern der Stadt.

Der breit gelagerte Putzbau macht mit seinem mächtigen Walmdach den gesteigerten Anspruch gegenüber den schmalbrüstigen Nachbarhäusern geltend. Den bürgerlich-gediegenen Charakter unterstreichen die Fassaden mit ihren kraftvoll gequaderten Eckpilastern und den gereihten Rechteckfenstern, die zugleich gegenüber den aufwendigeren, symmetrisch gegliederten Fronten der Adelspaläste zurücktreten. Hervorgehoben ist das prächtige Portal mit dem Hauszeichen – Schwan und Anker – und der als Segensspruch formulierten Inschrift Moeno haeC rhenoqVe seCVnDo („Unter der Gunst von Main und Rhein [stehe] dieses [Haus]“), die wohl auf einen Binnenschiffer als Bauherrn hinweist. Sie ist als Chronogramm abgefasst, deren herausgehobene Buchstaben – als römische Zahlen addiert - das Baujahr 1710 preisgeben. Den bedeutendsten Schmuck stellt jedoch die bewegte Muttergottesstatue dar, die die Ecke des Hauses markiert. Das Original der überlebensgroßen Figur befindet sich heute in der Eingangshalle des Landesmuseums. Im Inneren bezeugen das Treppenhaus mit seinen Holzbalustern, die Stuckdecken und die Türeinfassungen Wohlstand und Repräsentationswillen des frühen 18. Jahrhunderts.

Nach dem letzten Eigentümerwechsel fand vor kurzem eine durchgreifende Instandsetzung und mustergültige Restaurierung des Außenbaus sowie der Innenräume ihren Abschluss. Dabei wurde die Farbfassung der Fassaden in Anlehnung an die restauratorischen Befunden wiederhergestellt. Ein markantes Kulturdenkmal und ein wichtiger Vertreter der Mainzer Bürgerhausarchitektur konnte damit für die Zukunft bewahrt werden.