Deckenmalerei über dem Langhaus vor der Überarbeitung Kolmspergers von 1902
Deckenmalerei über dem Langhaus vor der Überarbeitung Kolmspergers von 1902
Deckenmalerei über dem Langhaus vor den Restaurierungsmaßnahmen von 2016/17 Foto: Georg Peter Karn
Deckenmalerei vor den Restaurierungsmaßnahmen von 2016/17, Foto: Georg Peter Karn

 

 

Gefährdetes Heiligenleben: Die Deckengemälde von St. Ignaz

Die katholische Pfarrkirche St. Ignaz gehört mit der ehem. Stiftskirche St. Peter, der 1793 zerstörten Jesuitenkirche Balthasar Neumanns und der Augustinerkirche zu den vier großen Sakralbauten des 18. Jahrhunderts in Mainz. 1763-1774 wurde sie nach Entwürfen des Mainzer Baumeisters und Stuckateurs Johann Peter Jäger (1708-1790) errichtet; die wegen der nahen Stadtbefestigung massive Einwölbung übernahm Johann Valentin Anton Thoman (1695-1777). Da die Gemeinde mit den hohen Kosten überfordert war, zogen sich die Arbeiten an der Ausstattung lange hin; der geplante Turm wurde nie ausgeführt. Im Unterschied zur gleichzeitigen, in Rokkokoformen gehaltenen Augustinerkirche hat in St. Ignaz der frühe Klassizismus Einzug gehalten: Dazu tragen die klare Scheidung der Raumteile mit der zentralen Vierungskuppel ebenso bei wie die aufwendige Gliederung durch Säulen und Pilaster sowie die eindeutige Begrenzung der Wand- und Gewölbefelder. Der qualitätsvolle Stuck von Johann Peter Metz (1727-1780) zeigt liturgische Gegenstände sowie klerikale Insignien.

Für die Gewölbefresken verpflichtete man den Maler Johann Baptist Enderle (1725-1798) aus Donauwörth, der zuvor bereits die Augustinerkirche ausgemalt hatte. Sein Bilderzyklus war dem Leben des Kirchenpatrons St. Ignatius von Antiochia gewidmet und stellte im Langhaus das Martyrium des Heiligen dar, der in Rom unter Kaiser Trajan den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurde. Wegen des schlechten Zustands, der bereits 1867/68 zu einer ersten Restaurierung durch August Gustav Lasinsky (1811-1870) führte, wurden die Deckenbilder 1902 unter Wahrung des alten Programms von dem Münchener Kunstmaler Waldemar Kolmsperger d.Ä. (1852-1943) weitestgehend neu gemalt, dessen Werke viele Kirchen im süddeutschen Raum schmücken.

Aufgrund von Kriegsschäden und maltechnischen Problemen mussten die Deckengemälde 1953-1955 und 1985 restauriert und ergänzt werden. 2016/17 werden erneut Sicherungs-, Konservierungs- und Reinigungsmaßnahmen durchgeführt, die die nachgedunkelten, stark verschmutzten Bilder und den Stuck im Raum wieder stärker erlebbar machen werden.