Das Mainzer Schloss, 2015, Foto: Dr. Georg-Peter Karn
Das Mainzer Schloss, 2015, Foto: Dr. Georg-Peter Karn
Der Akademiesaal, um 1930, Foto: Stadtarchiv Mainz
Der Akademiesaal, um 1930, Foto: Stadtarchiv Mainz

Das Kurfürstliche Schloss

Die „gute Stube von Mainz“

Vom Glanz kurfürstlicher Wohnkultur sind im Schloss nach dem Untergang des Kurstaates und der langen Zweckentfremdung nur noch geringe Spuren geblieben. Teile der kostbaren Einrichtungen findet man heute eher in der früheren Nebenresidenz Aschaffenburg als in der ehemaligen Hauptstadt Mainz.

Das prachtvolle, von Ritter zu Groenesteyn entworfene Haupttreppenhaus fiel bereits der Umnutzung zum Zollmagazin um 1800 zum Opfer. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte sich jedoch eine Reihe von historischen Innenräumen mit ihrer wandfesten Ausstattung erhalten, die zuletzt im Rahmen der umfangreichen Instandsetzungsarbeiten zwischen 1897 und 1924 restauriert wurden.

Vor allem im rheinseitigen Flügel bezeugten zahlreiche Stuckdecken die hohe Ausstattungsqualität des 18. Jahrhunderts. Die beiden Erkerzimmer im ersten Obergeschoss gingen mit ihrem plastischen Stuck auf die Zeit um 1700 zurück und verrieten die Neueinrichtung des kurfürstlichen Appartements unter Lothar Franz von Schönborn; das Spiegelkabinett, ursprünglich wohl mit Spiegeln aus der vom Kurfürsten 1698 gegründeten Glasmanufaktur in Lohr am Main besetzt, gehörte zu den frühesten Vertretern seiner Art in Deutschland.

Weitere Räume wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts unter Johann Friedrich Carl von Ostein in Rokokoformen stuckiert; aus ihnen ragte der Marmor- oder Gardesaal im Winkel beider Flügel mit seiner prächtigen, von Johann Peter Jäger geschaffenen Stuckdecke heraus. Friedrich Karl Joseph von Erthal, der letzte Kurfürst, ließ das zweite Obergeschoss neu einrichten und die mittelalterliche Martinsburg renovieren.

Unter ihm entstand 1786/87 nach Entwurf des französischen Architekten Antoine-François Peyre auch der doppelgeschossige Akademiesaal mit Stuckmarmorverkleidung, umlaufender Säulenstellung und einem Deckenfresko des kurtrierischen Hofmalers Januarius Zick. Der nach dem Krieg an seiner Stelle eingerichtete Große Saal vermag mit seinem bescheidenen Anspruch den Verlust dieser bedeutenden Raumschöpfung des frühen Klassizismus nicht aufzuwiegen.