Ausschnitt aus dem Deckengemälde von Christoph Thomas Scheffler im Deutschhaus

Ausschnitt aus dem Deckengemälde von Christoph Thomas Scheffler, Farbaufnahme kurz vor der Zerstörung 1945, Foto: Zentralinstitut für Kunstgeschichte München

Hl. Georg von der Fassade der Deutschhauskapelle
Hl. Georg von der Fassade der Deutschhauskapelle, Foto GDKE RLP, Landesdenkmalpflege

Das Deutschhaus

Landtagssitz im Fokus

Schon bald nach seinem Regierungsantritt ließ Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1729-1732) als Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ritterordens die noch aus dem Mittelalter stammende Deutschordenskommende baulich erneuern. Mit dem von Pavillons ein gefassten Ehrenhof auf der Stadtseite und der repräsentativen, durch Pilaster gegliederten Flussfront orientierte sich das Projekt des Kurmainzer Oberbaudirektors Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn an französischen Vorbildern. Fertiggestellt wurde der Neubau erst 1737 unter Franz Ludwigs Amtsnachfolger im Ritterorden, dem Kölner Kurfürsten Clemens August von Wittelsbach. Der von diesem hinzugezogene Mergentheimer Ordensbaumeister Franz Joseph Roth brachte künstlerische Motive aus seiner Wiener Heimat mit, wie die Atlanten, die den Balkon auf der Hofseite tragen. Statuen des Bildhauers Burkhard Zamels und Fresken des Augsburger Malers Christoph Thomas Scheffler schmückten den Bau, der später als Residenz für Kaiser Napoleon und die Großherzöge von Hessen diente. Seit seiner Wiederherstellung nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist das Deutschhaus Sitz des Landtags von Rheinland-Pfalz.

Im 19. Jahrhundert erhielt der Bau einen sandsteinroten Anstrich, der die Fassaden bis in die Nachkriegszeit prägte; die heutige hellere Tönung entstand in Schritten erst in den 1960er und 1970er Jahren. Wie alte Ansichten und restauratorische Untersuchungen belegen, trugen die Fassaden jedoch ursprünglich eine charakteristisch barocke Farbfassung mit weißen Putzflächen und roter Gliederung, von der sich die plastischen Elemente hell absetzten.

An die ehemals aufwendige Ausstattung erinnern heute nur noch einige Elemente des qualitätvollen, von Franz Joseph Roth geschaffenen Stucks aus der Kapelle, die beim Wiederaufbau in den Plenarsaal übertragen wurden.