Im Bann der Verwüstung

Max Slevogt und der Erste Weltkrieg

Im Oktober 1914 reiste Max Slevogt (1868 –1932) freiwillig als Kriegsmaler an die Westfront. Drei Wochen verbrachte er dort – die für ihn einen tiefen Einschnitt bedeuteten.

Aufgebrochen, um ein glorreiches Geschehen zu dokumentieren, floh er vor dem Grauen der Realität und der Erkenntnis seiner künstlerischen Ohnmacht. Die an der Westfront entstandenen Zeichnungen und Gemälde kommentierte er 1917 im Vorwort zum „Kriegstagebuch“:

„Im Banne der Verwüstung vermögen wir noch die Verstümmelung von Häusern, Bäumen stimmungvoll, reizvoll, auch darstellbar empfinden, nicht so den verstümmelten Menschen, den Kadaver. Kunst ist Gestaltung, was sie nicht deuten kann, versagt sich ihr.“

Erst mit einigem Abstand konnte Slevogt die quälenden Eindrücke verarbeiten, in einer symbolisierenden und kritischen Form. Zu dieser Zeit des sich fortsetzenden Grabenkriegs war er nicht mehr allein mit seinen Sinnzweifeln. 1916 erschien die pazifistische Zeitschrift „Der Bildermann“ mit seiner maßgeblichen Beteiligung. Er publizierte darin eine Folge von „Symbolen der Zeit“, die er danach erweitert unter dem Titel „Gesichte“ herausbrachte. Diese Steinzeichnungen bilden in Slevogts Werk die intensivste Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen. Er beklagt nicht nur die Opfer, sondern benennt schonungslos die abgrundtiefe Gewaltbereitschaft der Menschen und greift die Kriegsanführer und die Verblendung auf allen Seiten an.

Nach dem Waffenstillstand musste Slevogt fast ein Jahr als „Gefangener“ der französischen Besatzungsmacht ohne Malerlaubnis auf seinem Landgut Neukastel ausharren. Es entstanden einige Zeichnungen, mit denen er das Kriegsende und die Revolution skeptisch kommentierte. Die Hinwendung zu musikalischen und religiösen Themen und zur Landschaft führte ihn schließlich aus dem bestürzenden Kriegserlebnis heraus.