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Emy Roeder und Hanna Bekker vom Rath

Emy Roeder und Hanna Bekker vom Rath – eine vielseitige Freundschaft

Vortrag von Marian Stein-Steinfeld, Ausstellungskuratorin und Direktorin Archiv Hanna Bekker vom Rath

Eine vielseitige Freundschaft

Vortrag im Landesmuseum Mainz über Emy Roeder und Hanna Bekker vom Rath

Emy Roeder gehörte zu den Künstlerinnen, deren Werke vom NS-Regime öffentlich diffamiert wurden, Hanna Bekker vom Rath war eine Kunstliebhaberin, die genau diese Künstler leidenschaftlich unterstützte. Die beiden Frauen verband eine tiefe Freundschaft, die auch die NS-Diktatur überdauerte. In einem Vortrag im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) am 7. Mai berichtet Marian Stein-Steinfeld, Leiterin Archiv Hanna Bekker vom Rath in Frankfurt, von der vielseitigen Freundschaft, die in den 1930er-Jahren in Berlin begann.  

Während Emy Roeder 1933 nach Italien ging und vorerst dort blieb, nachdem das NS-Regime ihre Skulptur „Die Schwangere“ als „entartet“ gebrandmarkt hatte, blieb Hanna Bekker in Deutschland und baute im „Blauen Haus“ in Hofheim ein Künstlerrefugium für die Künstler auf, die noch nicht aus Nazi-Deutschland geflohen waren. Als Emy Roeder 1936 für einen Kurzbesuch nach Deutschland zurückkehrte, besuchte sie diesen Zufluchtsort und tauschte sich dort intensiv mit Bekker aus. Jene reiste wiederum nur ein Jahr später nach Italien und lernte dort auch einige von Emy Roeders Künstlerfreunden kennen, die ebenfalls ins italienische Exil geflohen waren. 

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs richtete Hanna Bekker in ihrer Berliner Atelierwohnung eine heimliche Ausstellung für ihre verfemten Künstlerfreunde aus. Bis 1942/1943 setzte sie diese hochgefährlichen Aktivitäten fort. Nach dem Ende des Krieges eröffnete sie in Frankfurt das Frankfurter Kunstkabinett, in der 1950 die erste Emy Roeder-Ausstellung stattfand. Die Bildhauerin war ein Jahr zuvor nach Deutschland zurückgekehrt und hatte in Mainz eine zweite Heimat gefunden. Sie erhielt einen Lehrauftrag und bekam ein eigenes Atelier. In der Folgezeit verbrachten Roeder und Bekker immer wieder Zeit miteinander und unternahmen Reisen, ihr letzter gemeinsamer Trip führt sie 1967 nach Marokko. Die Jubiläumsausstellung zum 25-jährigen Bestehen ihrer Galerie widmet Hanna Bekker 1972 ihren ältesten Künstlerfreunden: Ida Kerkovius, Karl Schmidt-Rottluff und Emy Roeder – die Bildhauerin war rund ein Jahr zuvor gestorben.